Chance zur grundlegenden Reform der Wirtschaftsprüfung nicht genutzt

Gesetzentwurf zur Stärkung der Finanzmarktintegrität greift zu kurz

17.12.2020 – Berlin. Der gestern vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz – FISG) wird sein eigentliches Ziel, die Qualität der Wirtschaftsprüfung nachhaltig zu stärken, nicht erfüllen und droht sogar neue Risiken zu schaffen.

Um die Qualität der Wirtschaftsprüfung systematisch und nachhaltig zu stärken, muss der extrem konzentrierten Marktsituation entgegengewirkt werden und eine Öffnung für mittelständische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erfolgen. Der Entwurf des FISG muss daher im parlamentarischen Prozess um Maßnahmen zur Stärkung von Wettbewerb und Mittelstand ergänzt werden.

Mazars in Deutschland unterstützt die Absicht des Gesetzgebers, das System staatlicher Aufsicht zu stärken, um Betrugsrisiken zu minimieren und Fälle wie Wirecard zukünftig unwahrscheinlicher zu machen. Insgesamt greift der beschlossene Gesetzesentwurf jedoch zu kurz, die Chance für eine grundlegende Reform der Wirtschaftsprüfung wird nicht genutzt. Das aktuell vorliegende Gesetz sieht den Hebel für Qualitätsverbesserung vor allem in schärferen Haftungs- und Sanktionsregeln. Allein werden diese aber nicht zu einer dauerhaften Qualitätsverbesserung in der Prüfung führen. Stattdessen setzt die vorgeschlagene Verschärfung der Haftung einen Marktaustrittsimpuls für mittelständische Unternehmen, die schon heute kaum Anteil an der Prüfung von Unternehmen von öffentlichem Interesse (PIE) in Deutschland haben. Der Gesetzentwurf muss dringend um Maßnahmen zur Stärkung von Wettbewerb und Mittelstand ergänzt werden. Die Verankerung des Vier-Augen-Prinzips in der Wirtschaftsprüfung, auch bekannt als Joint Audit, ist daher dringend erforderlich.

Dr. Christoph Regierer, Mitglied und Sprecher des Management Boards von Mazars in Deutschland: „Eine nachhaltig wirksame Verbesserung der Wirtschaftsprüfung kann nur dann erreicht werden, wenn sich der Gesetzgeber dem offenkundigen Problem der stark konzentrierten Marktstruktur bei der Wirtschaftsprüfung zuwendet. Es braucht einen gesetzlichen Rahmen für fairen Wettbewerb, auch für mittelständische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Ein solcher Rahmen ist jedoch im aktuellen Gesetzentwurf des FISG nicht angelegt. Eine nachhaltige Reform muss das Vier-Augen-Prinzip Joint Audit etablieren.“

Zentrale Ziele der Reform des regulatorischen Rahmens für die Wirtschaftsprüfung müssen die Verbesserung der Prüfungsqualität und die Öffnung der extrem konzentrierten Marktstruktur in Deutschland sein. Beide Ziele lassen sich mit einem international bewährten und zuletzt auch in Deutschland vieldiskutierten Instrument erreichen, der Verankerung des Vier-Augen-Prinzips in der Wirtschaftsprüfung, auch bekannt als Joint Audit. Joint Audits sorgen für eine permanente gegenseitige Qualitätskontrolle der beauftragten Abschlussprüfer und mehr Wettbewerb auf dem Wirtschaftsprüfermarkt. Dieses Prinzip senkt die Markteintrittsbarrieren und ermöglicht mittelständischen Prüfungsgesellschaften den Zugang zur Prüfung großer PIE (Public Interest Entities).

Über Mazars

Mazars ist ein führendes internationales Unternehmen, das auf die Bereiche Wirtschaftsprüfung, Steuern und Recht* sowie Accounting, Financial Advisory und Consulting spezialisiert und in über 90 Ländern vertreten ist. Unsere 40.400 Experten – 24.400 in unserer integrierten Partnerschaft, 16.000 in der Mazars North America Alliance – arbeiten vertrauensvoll mit ihren Mandantinnen und Mandanten zusammen und unterstützen sie dabei, ihr Geschäft nachhaltig zu sichern und auszubauen.

In Deutschland gehört Mazars mit einem Jahresumsatz von rund 158 Millionen Euro zu den führenden Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen. Mit 90 Partnerinnen und Partnern und mehr als 1.500 Mitarbeitenden ist die Gesellschaft an zwölf Standorten innerhalb Deutschlands immer in der Nähe ihrer Mandantinnen und Mandanten.

  

*wo dies nach den geltenden Landesgesetzen zulässig ist

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Gesetzentwurf zur Stärkung der Finanzmarktintegrität greift zu kurz

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