Gründung eines internationalen Sustainability Standards Board (SSB)

Im September 2020 leiteten die Treuhänder der IFRS Foundation eine Konsultation zur Feststellung ein, inwiefern ein Bedarf an globalen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung besteht. Dabei sollte auch beurteilt werden, welche Rolle die IFRS Foundation in der Entwicklung solcher Standards spielen könnte. Im Anschluss an die Konsultation werteten die Treuhänder 576 eingegangene Kommentarschreiben aus.

Die Ergebnisse zeigten einen dringenden und wachsenden Bedarf an verbesserter Konsistenz und Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf internationaler Ebene. Auch seitens der Stakeholder herrschte Einigkeit, dass umgehend Maßnahmen eingeleitet werden müssten und die IFRS Foundation in diesem Prozess involviert sein sollte.

Die IOSCO (International Organization of Securities Commissions) bekräftigte ebenfalls ihre Unterstützung für diese Initiative.

Angesichts des großen Konsenses beschlossen die Treuhänder, die Antworten der Stakeholder eingehender zu analysieren, um wichtige Erfolgsfaktoren und andere Voraussetzungen zu identifizieren, bevor in Erwägung gezogen wird, ein dafür zuständiges Board neu zu gründen (jenes würde neben dem International Accounting Standards Board bestehen).

Da auch andere europäische Institutionen ihr Engagement für dieses Thema bekräftigten, trafen sich die Treuhänder der Stiftung Anfang März, um die strategische Ausrichtung des SSB festzulegen:

  • Das SSB würde sich, zumindest zu Beginn, auf Informationen konzentrieren, die für Investoren, Kreditgeber und andere Gläubiger wichtig sind. In diesem Stadium würde die Wesentlichkeit in finanzieller Sicht betrachtet werden, z. B. die Auswirkungen des Klimawandels bezogen auf den Unternehmenswert. Dies sollte die Verknüpfung mit der Finanzberichterstattung, welche in den Zuständigkeitsbereich des IASB fällt, erleichtern.
  • Das SSB würde sich zunächst auf die klimabezogene Berichterstattung beziehen, während es weiter daran arbeitet, den Informationsbedarf der Investoren in Bezug auf andere ESG-Themen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zu erfüllen.
  • Das SSB würde auf den am meisten anerkannten bestehenden Rahmenwerken aufbauen. Diese beinhalten die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) sowie die kürzlich gebildete Allianz von Organisationen (bestehend aus dem CDP – Carbon Disclosure Project, dem CDSB – Climate Disclosure Standards Board, der GRI – Global Reporting Initiative, dem IIRC – International Integrated Reporting Council und dem SASB – Sustainability Accounting Standards Board). Die IFRS Foundation erklärte, dass sie eine formale Arbeitsbeziehung mit diesen verschiedenen Organisationen aufbauen möchte, und kündigte am 22. März die Gründung einer Arbeitsgruppe an, an der das IASB teilnahm. Hierbei fungierte die IOSCO als Beobachterin. Neben der weiteren Arbeit an den Pflichtangaben wird die Gruppe prüfen, wie technische Expertise und Inhalte zur Nachhaltigkeitsberichterstattung an das SSB übertragen werden können, um eine Konsolidierung in diesem Bereich zu erleichtern.
  • Das SSB würde einen Baustein-Ansatz verfolgen und eine gemeinsame Basis entwickeln, die konsistente und vergleichbare Informationen über verschiedene Rechtssysteme hinweg sicherstellt. Gleichzeitig soll die Möglichkeit weiterhin bestehen, ein breiteres Spektrum an Informationen zu erfassen. Die Treuhänder sind daran interessiert, ein Rahmenwerk mit eingebauter Flexibilität zu schaffen, sodass es leicht angepasst werden kann. Dies dient dazu, unterschiedlichen Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung für verschiedene Rechtssysteme und Interessengruppen gerecht zu werden.

Im April wurde ein Entwurf seitens der IFRS Foundation veröffentlicht (hier abrufbar), der gezielte Änderungen an der Satzung der IFRS Foundation vorschlägt, um die Gründung eines International Sustainability Standards Board (ISSB) und die Festlegung von IFRS-Nachhaltigkeitsstandards zu ermöglichen.

Die Vorschläge der IFRS Foundation für die Governance-Struktur des ISSB ähneln der bestehenden Struktur des IASB (International Accounting Standards Board). Einige geringfügige Unterschiede würden es dem neuen Board erlauben, einen angemessenen Entwicklungsstand bei der Standardsetzung zu erreichen und seine technische Expertise innerhalb der Grenzen der strategischen Ausrichtung der Treuhänder zu entwickeln.

Der Due Process für die Veröffentlichung von ISSB-Nachhaltigkeitsstandards wäre außerdem ähnlich zu dem bestehenden Due Process für die vom IASB veröffentlichten IFRS.

Stakeholder haben bis zum 29. Juli 2021 Zeit, Kommentare an die IFRS Foundation zu senden. Diese Kommentare werden bei der Entscheidung über die Gründung des neuen Boards berücksichtigt. Kann der geplante Prozess in der Form umgesetzt werden, wird die Gründung des ISSB auf der nächsten Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP26), die für November 2021 geplant ist, bekannt gegeben.

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