Neuüberlegungen zum Projekt „Primary Financial Statements“ beginnen

In der Sitzung des International Accounting Standards Board (IASB) am 24. März 2021 begannen die Board-Mitglieder mit erneuten Beratungen zu den Vorschlägen des Entwurfs General Presentation and Disclosures, welcher im Dezember 2019 veröffentlicht wurde (und bis zum 30. September 2020 zur Kommentierung offen war).

Die Liste der zu überarbeitenden Themen ist, in Anbetracht der Anzahl eingegangener Kommentare, sehr ausführlich (vgl. Mazars – „Beyond the GAAP“-Ausgabe Nr. 150). Im März begann das IASB damit, folgende Themen zu diskutieren:

  • Zwischensummen und Kategorien in der Gewinn- und Verlustrechnung, wobei die Anforderung, eine neue Zwischensumme „Betriebsergebnis“ auszuweisen und zu definieren, den zentralen Schwerpunkt dieser Überlegung darstellt;
  • geforderte Angaben im Anhang zu Management-Kennzahlen (MPMs) und die Frage, ob der Umfang der MPMs erweitert werden sollte; und
  • Änderungen an der Kapitalflussrechnung, wobei der Schwerpunkt auf dem Anwendungsbereich dieser Änderungen und spezifischen Vorschlägen liegt.

Zwischensumme „Betriebsergebnis“

Zu diesem ersten Thema hat das IASB vorläufig entschieden:

  • Alle Unternehmen sind dazu verpflichtet, eine neue Zwischensumme „Betriebsergebnis“ in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen;
  • die Kategorie „Betrieb“ in der Gewinn- und Verlustrechnung soll keine Ertrags- und Aufwandsposten enthalten, die in die Kategorien „Investition“, „Finanzierung, „Ertragsteuern“ oder „aufgegebene Geschäftsbereiche“ eingeordnet werden. Die Kategorie „operativ“ wird also weiterhin durch das definiert, was sie nicht ist (d. h., sie ist eine „Residual“- oder „Default“-Kategorie). Das IASB wird die Definitionen der Kategorien „Investition“ und „Finanzierung“ in einer zukünftigen Sitzung diskutieren (einschließlich der Frage, wie diese auf Banken und andere Finanzinstitute anzuwenden sind, für welche Investition und Finanzierung Hauptgeschäftsaktivitäten sind). Der Vorschlag, Erträge und Aufwendungen bei nach der Equity-Methode bilanzierten assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen aus dem Betriebsergebnis auszuschließen, wird ebenfalls in einer zukünftigen Sitzung diskutiert;
  • die Kategorie „Betrieb“:
    • wird alle Erträge und Aufwendungen umfassen, die sich aus der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens ergeben, einschließlich volatiler und ungewöhnlicher Posten (z. B. Rechtsstreitigkeiten oder Restrukturierungskosten). Das vom IASB vorgeschlagene „Betriebsergebnis“ wäre daher nicht gleichbedeutend mit dem Gewinn aus wiederkehrenden Geschäftstätigkeiten, wie es manchmal von Unternehmen verwendet wird;
    • schließt Erträge und Aufwendungen aus der Hauptgeschäftstätigkeit eines Unternehmens ein, ist aber nicht allein auf diese beschränkt. Beispielsweise könnte das Betriebsergebnis Erträge und Aufwendungen eines Tochterunternehmens enthalten, dessen Geschäftstätigkeit (derzeit) eine Nebentätigkeit zur Hauptgeschäftstätigkeit des Unternehmens darstellt. Das IASB geht also davon aus, dass sekundäre oder unterstützende Tätigkeiten Teil der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens sind;
  • die Zwischensumme „Betriebsergebnis“ nicht direkt zu definieren.

Informationen zu MPMs

Zu diesem Thema hat das IASB vorläufig entschieden:

  • Unternehmen zu verpflichten, im Anhang Angaben zu MPMs zu machen und damit einen der zentralen Vorschläge des Entwurfs zu bestätigen;
  • mögliche Ansätze zu untersuchen, um den Umfang der Anforderungen an MPMs über die im Entwurf vorgeschlagen Aspekte zu erweitern. Dies wurde nicht einstimmig angenommen (zehn von 13 Stimmen), da einige Board-Mitglieder befürchteten, das Projekt würde durch die zusätzliche für die Identifizierung eines geeigneten Ansatzes erforderliche Arbeit verzögert werden.

Kapitalflussrechnung

Zu diesem letzten Thema hat das IASB vorläufig entschieden:

  • den im Entwurf dargelegten Arbeitsumfang beizubehalten, d. h. nur einige wenige Änderungen in begrenztem Umfang an IAS 7 vorzunehmen. Das IASB wird eine mögliche Angleichung zwischen den Kategorien in der Gewinn- und Verlustrechnung und den Kategorien in der Kapitalflussrechnung in einer zukünftigen Sitzung diskutieren. Gleichzeitig wird das Board die zu verwendenden Bezeichnungen prüfen, die für die Kategorien in der Gewinn- und Verlustrechnung zu verwenden sind, um angesichts der vielen zu diesem Thema eingegangenen Kommentare sämtliche Unklarheiten zu vermeiden;
  • die Unternehmen zu verpflichten, die neue Zwischensumme „Betriebsergebnis“ als Ausgangspunkt für die indirekte Methode zur Darstellung der Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit zu verwenden, wodurch einer der Vorschläge aus dem Entwurf bestätigt wird;
  • die Vorschläge im Entwurf zur Klassifizierung von gezahlten Zinsen und Dividenden-Cashflows für Unternehmen zu bestätigen, die keine Hauptgeschäftstätigkeit in den Bereichen Investition und Finanzierung haben. In der Praxis bedeutet dies:
    • gezahlte Zinsen und Dividenden würden als Cashflows aus der Finanzierungstätigkeit klassifiziert werden;
    • erhaltene Dividenden würden als Cashflows aus der Investitionstätigkeit klassifiziert werden.

Das IASB wird über die Klassifizierung von erhaltenen Zinsen in einer zukünftigen Sitzung entscheiden.

Die Beratungen über die Projektvorschläge werden in zukünftigen IASB-Sitzungen fortgesetzt.

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