IOSCO veröffentlicht Erklärung zu Fragen der Unternehmensfortführung im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie

Im Januar 2021 veröffentlichte die IFRS Foundation Lehrmaterial mit dem Titel Going concern – a focus on disclosure*, um Unternehmen bei der Anwendung der IFRS (insbesondere IAS 1 und IAS 10) zu unterstützen, wenn sie ihre Abschlüsse basierend auf der Annahme der Unternehmensfortführung erstellen.

Im aktuellen Krisenumfeld haben viele Unternehmen einen Rückgang ihrer Umsätze, ihrer Rentabilität und damit ihrer Liquidität zu verzeichnen. Dies lässt die Frage aufkommen, ob Zweifel an der Fortführung eines Unternehmens bestehen können. Die damit einhergehende Entscheidung, ob der Jahresabschluss auf der Annahme der Unternehmensfortführung erstellt wird, kann daher ein höheres Maß an Ermessensspielräumen erfordern als üblich.

Infolgedessen hat die IFRS Foundation die geforderten Angaben dargelegt und dabei die Wechselwirkungen zwischen den allgemeinen Anforderungen des IAS 1 zur Angabe der Grundlagen für die Aufstellung des Abschlusses und den spezifischen Anforderungen für die Berichterstattung auf Basis der Unternehmensfortführung hervorgehoben.

Es werden drei Szenarien für den Fall dargestellt, dass Unternehmen letztlich zu dem Entschluss gelangen, ihren Abschluss auf der Grundlage der Unternehmensfortführung aufzustellen:

Szenario 1: Keine erheblichen Zweifel

Wenn ein Unternehmen entscheidet, dass keine erheblichen Zweifel an seiner Fähigkeit zur Fortführung des Unternehmens bestehen, sind außer der Tatsache, dass das Unternehmen seinen Abschluss auf der Grundlage der Fortführungsprämisse aufgestellt hat, keine besonderen Angaben erforderlich.

Szenario 2: Erhebliche Zweifel an der Unternehmensfortführung, aber keine wesentlichen Unsicherheiten nach Analyse der Abhilfemaßnahmen

Ein solcher Fall war Gegenstand eines IFRS IC Agenda-Beschlusses im Jahr 2014 (hier verfügbar). Das IFRS Interpretations Committee entschied, dass erhebliche Ermessensentscheidungen erforderlich sind, um nach einer Analyse der Risikominderungsmaßnahmen zu konkludieren, dass keine wesentliche Unsicherheit hinsichtlich der Fähigkeit der Unternehmensfortführung besteht. Diese Ermessensentscheidungen sind zu erläutern (IAS 1.122).

Szenario 3: Erhebliche Zweifel an der Unternehmensfortführung mit wesentlichen Unsicherheiten, die nach der Analyse der Maßnahmen zur Risikominderung weiterhin bestehen

In diesem Szenario besteht die Möglichkeit, dass ein Unternehmen seinen Abschluss nicht mehr auf der Grundlage der Unternehmensfortführung aufstellen kann. Daher muss das Unternehmen in Anwendung von IAS 1.25 Angaben zu den Ereignissen und Bedingungen machen, die wesentliche Unsicherheiten in Bezug auf seine Fähigkeit zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit verursachen.

Das Lehrmaterial verdeutlicht außerdem, dass ein Unternehmen in der Praxis Informationen über seine wesentlichen Einschätzungen bereitstellen muss. Hierzu gehören:

a) die Ereignisse oder Bedingungen, die zu erheblichen Zweifeln an der Fähigkeit der Fortführung des Unternehmens führen, und

b) die Realisierbarkeit und Wirksamkeit der Maßnahmen des Managements als Reaktion auf diese Ereignisse oder Bedingungen.

Zusätzlich weist das Lehrmaterial der IFRS Foundation darauf hin, dass unter Szenario 3 die Angabepflichten zu Quellen von Schätzungsunsicherheiten nach IAS 1.125–133 (insbesondere die zukunftsrelevanten Annahmen) ebenfalls relevant sein könnten.

Im März 2021 veröffentlichte die IOSCO eine Pressemitteilung (hier verfügbar) zu Fragen der Unternehmensfortführung im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Die Erklärung wiederholt einige der eben dargestellten Punkte, die das IASB in seinem Lehrmaterial Going concern – a focus on disclosure dargelegt hat. Die IOSCO betont, wie wichtig es sei, qualitativ hochwertige Informationen über die Einschätzung des Unternehmens hinsichtlich seiner Fähigkeit zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit sowie über alle wesentlichen Unsicherheiten, die dies beeinflussen könnten, bereitzustellen.

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* Going concern – a focus on disclosure

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Dies ist ein Beitrag aus unserem IFRS-Newsletter 2-2021. Die gesamte Ausgabe finden Sie hier. Sie können diesen Newsletter auch abonnieren und erhalten die aktuelle Ausgabe direkt zum Erscheinungstermin.