IFRS-IC-Agenda-Entscheidung zu Konfigurations- oder Anpassungskosten bei Cloud-Computing-Vereinbarungen

Im April 2021 hat das International Accounting Standards Board (IASB) in einer Sitzung den vorläufigen Agendabeschluss zu Konfigurations- oder Anpassungskosten bei Cloud-Computing-Vereinbarungen (IAS 38 Immaterielle Vermögenswerte) anerkannt.

Dieser wurde zuvor vom IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) in dessen März-Sitzung beschlossen und ist Teil des im April veröffentlichten IFRIC-Updates (hier verfügbar).

Das Komitee erhielt eine Anfrage, wie ein Kunde die Konfigurations- und Anpassungskosten in Verbindung mit einer Software, die er von einem Anbieter im Rahmen einer Software-as-a-Service (SaaS)-Vereinbarung erworben hat, berücksichtigen sollte. Da dieses Thema durch bestehende Normen bereits abgedeckt ist, beschloss der Ausschuss, dieses Thema nicht weiter in seinen Arbeitsplan aufzunehmen.

In dem vorgelegten Sachverhalt gewährt der Vertrag dem Kunden das Recht, auf die Software des Anbieters zuzugreifen, und wird deshalb in den Büchern des Kunden als erhaltene Dienstleistung erfasst (d. h. das Recht, Zugang zu erhalten, wird nicht als Vermögenswert erfasst).

Zusätzlich entstehen für den Kunden zwei Arten von Kosten:

  • Konfigurationskosten (z. B. Definition von Parametern) und
  • Anpassungskosten (z. B. Ändern bzw. Hinzufügen neuer Codezeilen oder zusätzliche Funktionalitäten innerhalb der Software).

Das Komitee analysierte den Antrag, um festzustellen, ob diese Kosten als immaterieller Vermögenswert gemäß IAS 38 angesetzt werden sollten. Es prüfte auch, welche Rechnungslegungsgrundsätze anzuwenden sind, wenn die Kosten nicht als immaterieller Vermögenswert angesetzt werden.

Erfüllen Konfigurations- und Anpassungskosten die Definition eines immateriellen Vermögenswerts?

Nach dem Verweis auf die Regeln des IAS 38 zur Bilanzierung von immateriellen Vermögenswerten, wies das Komitee darauf hin, dass in der vorliegenden Situation der Anbieter die Software beherrscht und nicht der Kunde.

Um festzustellen, ob die Kosten die Definition eines immateriellen Vermögenswerts erfüllen oder nicht, muss das Unternehmen die Art der Kosten und die Auswirkungen der Konfiguration auf die Software berücksichtigen.

Das Komitee stellte fest, dass der Kunde in den meisten Fällen keinen immateriellen Vermögenswert erfassen würde, da er die Software nicht beherrscht und die Konfigurations- und/oder Anpassungsaktivitäten keine vom Kunden beherrschte, von der Software getrennte Ressource darstellt.

Dennoch merkte der Ausschuss an, dass in einigen Situationen der Vertrag beispielsweise zu zusätzlichen Codezeilen führen könnte, aus denen nur der Kunde einen künftigen wirtschaftlichen Nutzen ziehen würde. In einem solchen Fall muss der Kunde beurteilen, ob diese Codezeilen identifizierbar sind und die Kriterien für den Ansatz eines immateriellen Vermögenswerts gemäß IAS 38 erfüllen.

Wie werden Konfigurations- und/oder Anpassungskosten bilanziell behandelt, wenn diese nicht der Definition eines immateriellen Vermögenswertes entsprechen?

Wenn die Kosten nicht der Definition eines immateriellen Vermögenswerts entsprechen, muss der Kunde die Paragrafen 68–70 des IAS 38 anwenden:

  • Der Kunde muss die Kosten als Aufwand erfassen, wenn er die Konfigurations- und/oder Anpassungsleistungen vom Anbieter erhält (und nicht, wenn der Kunde diese Leistungen nutzt).
  • IAS 38 enthält keine spezifischen Richtlinien dazu, wie der Vertrag mit dem Anbieter zu bewerten ist und wann der Anbieter die Konfigurations- und/oder Anpassungsleistungen erbringt. In Übereinstimmung mit IAS 8.10 und 11 verwies der Ausschuss auf die Bestimmungen von IFRS 15. Dieser Standard legt fest, wie die Leistungsverpflichtungen im Vertrag zu identifizieren sind und wann die zugrunde liegenden Güter oder Dienstleistungen auf den Kunden übertragen werden.
  • Wenn die Konfigurations- oder Anpassungsleistungen vom Anbieter der Software (oder einem Unterauftragnehmer des Anbieters) durchgeführt werden, muss der Kunde die Anforderungen von IAS 38.69 und 69A anwenden und muss bestimmen, wann die Konfigurations- oder Anpassungsleistungen erbracht werden:
    • Wenn diese Dienstleistungen vom Recht auf Zugriff auf die Software getrennt sind, erfasst der Kunde, wenn der Anbieter die Software konfiguriert oder anpasst (dies wäre auch der Fall, wenn die Dienstleistungen von einer dritten Partei erbracht werden), die Kosten als Aufwand.
    • Wenn diese Dienstleistungen nicht vom Recht auf Zugriff auf die Software getrennt sind, werden die Kosten, wenn der Anbieter dem Kunden den Zugriff auf die Software über die Vertragslaufzeit (d. h. die Kosten werden über die Vertragslaufzeit verteilt) gewährt, als Aufwand erfasst.
  • Wenn der Kunde eine Zahlung für die Konfigurations- und/oder Anpassungsleistungen im Voraus leistet, wird diese Vorauszahlung als Vermögenswert erfasst (gemäß IAS 38.70).

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