Wie Sie Unternehmensziele erfolgreich priorisieren

Wachstum wird oft nicht nur allein durch eine fehlende Strategie verhindert, sondern auch durch eine fehlende Priorisierung der eigenen Unternehmensziele. Was können Unternehmen tun, um diese Herausforderung zu meistern und ihre Ziele zu erreichen?

Dazu haben wir Alisha Jernack, Partnerin bei Mazars, ausführlich befragt. Sie berät Führungskräfte in Familien- und inhabergeführten Unternehmen zu Wachstums- und Changestrategien. Ihre Branchenexpertise umfasst unter anderem das verarbeitende Gewerbe, Transport und Logistik sowie dienstleistungsorientierte Unternehmen.

Wie können Ihrer Erfahrung nach mittelständische Unternehmen ihre Ziele am besten umreisen und definieren?

Viele Unternehmen haben ihre Ziele oft noch gar nicht klar priorisiert. Sie konzentrieren sich überwiegend auf das Tagesgeschäft. Aber wirklich erfolgreiche Unternehmen wissen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen und wo sie hinwollen. Das ist oft der Unterschied zwischen einem Unternehmen, das Jahr für Jahr die gleichen Ergebnisse liefert, und einem Unternehmen, das auf lange Sicht Stabilität und Erträge für die Teilhaber*innen sichert.

Bevor priorisiert wird: Was ist die beste Vorgehensweise, um Anforderungen und Prioritäten zu definieren?

Es ist wichtig, mit einer gründlichen Analyse zu beginnen, die von einem unabhängigen Dritten durchgeführt wird, um den Status quo zu kennen und zu wissen, was die Teilhaber*innen erwarten und was sie erreichen wollen. Eine unabhängige Analyse ist deshalb so wichtig, weil viele Unternehmen Familienbetriebe mit einer besonderen Nähe zum Tagesgeschäft sind. Eine dritte Partei bringt Objektivität in die Analyse und hilft, Schwachstellen zu erkennen. Die Analyse sollte alle Kernbereiche des Unternehmens einbeziehen, einschließlich Finance & Risk, Management Mindset, Business Operations, Markt-, Produkt- und Kundenbetrachtung sowie technologische und organisatorische Möglichkeiten. Anschließend sollte eine Strategie entwickelt werden, um alle Schwachstellen zu beheben.

Unsere Benchmarkdaten sind dabei von zentraler Bedeutung, da sie der Unternehmensführung einen soliden Einblick in die Position des Unternehmens im Vergleich zum Wettbewerb geben. Diese Daten werden mit den internen historischen Leistungsdaten verglichen, um ein genaues Bild der Potenziale im Unternehmen zu erhalten. Auch die Analyse aktueller interner Berichte, wie z. B. Finanzprognosen, und die Frage, wie häufig diese erstellt und überprüft werden, ist wichtig. Jede Finanzprognose sollte parallel zur strategischen Planung erstellt werden, damit sie als Instrument dienen kann, den Erfolg der Planung zu messen, Kosten und Ziele im Auge zu behalten sowie Planungen in voller Kenntnis der finanziellen Implikationen anzupassen.    

In welchen Bereichen kommt es häufig zu Konflikten zwischen den individuellen Zielen von Eigentümer*innen und den weiter gefassten Unternehmenszielen – und wie lassen sich diese am besten priorisieren?

Konflikte entstehen häufig, weil mittelständische Unternehmen oft familiengeführt sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Eine Abstimmung zwischen den Unternehmenszielen und den Zielen der Teilhaber*innen ist für den Erfolg unverzichtbar. Auch die Familienmitglieder haben oft unterschiedliche Prioritäten, was zu unterschiedlichen Vorstellungen über die Ausrichtung des Unternehmens führen kann. Hier geht es für uns darum, das Unternehmen ganzheitlich zu betrachten, zu verstehen, was für jede*n Anteilseigner*in wichtig ist, und unsere Erkenntnisse in die Analyse und die strategischen Szenarien einzubetten.

Wie profitieren Unternehmen Ihrer Erfahrung nach am meisten von klaren Prioritäten?

In erster Linie hilft es ihnen, einen Konsens über die nächsten Schritte sowie Ziele herzustellen, diese zu kommunizieren und dabei einen strukturierten Ansatz zu entwickeln, hinter dem alle stehen.

Wir sehen oft, dass eine Unternehmensführung ohne klare Prioritäten schneller überfordert ist und nicht weiß, wohin sie das Unternehmen lenken soll. Die Unternehmensentwicklung kann dabei leicht an Schwung verlieren. Pläne bleiben in der Schublade und nichts kommt voran, im Unternehmen folgen dann alle dem gewohnten Geschäftsgang.

Wichtig ist außerdem der richtige Fokus. Wir empfehlen, nicht mehr als drei bis fünf wegweisende Ziele auf einmal zu setzen, damit das Management von Einzelschritten, Verantwortlichkeiten, Zeitplänen, Budgets und Ressourcen handhabbar bleibt. Das verbessert wesentlich die Chancen, die Ziele auch wirklich zu erreichen.    

Was ist, wenn sich Prioritäten ändern müssen?

Es ist nicht zu unterschätzen, wie wichtig es ist, dass sich die Unternehmensführung jeden Monat Zeit nimmt, um die Fortschritte im Hinblick auf die gesetzten Ziele zu überprüfen. Diese Meetings müssen geplant werden, so wie es auch bei Vorstandssitzungen der Fall ist. Eine monatliche strategische Berichterstattung überwacht die Fortschritte anhand von KPIs und erlaubt, flexibel zu sein, Annahmen anzupassen sowie Zeitpläne und Erwartungen neu zu formulieren, wenn das erforderlich wird. Wenn nötig, können Verantwortliche auch die Ziele neu priorisieren. Werden externe Expert*innen dabei eingebunden, profitiert die Unternehmensführung von einer unabhängigen Betrachtungsweise und tiefgreifender Branchenerfahrung.

Auf einen Blick

Erfolgreiche Unternehmen brauchen nicht nur eine klare Vorstellung davon, wo sie aktuell stehen und wo sie in einigen Jahren sein wollen, um auf dieser Basis eine Strategie für die Unternehmensentwicklung zu formulieren. Für die Umsetzung ist es außerdem notwendig, Einzelschritte und Maßnahmen klar zu priorisieren, die auf die gesteckten Unternehmensziele einzahlen sollen. Unsere nationalen und internationalen Experten-Teams unterstützen Sie dabei, Wachstums- und Changeprojekte strukturiert anzugehen.

  

„Unternehmerischer Erfolg ist kein Zufall. Es braucht Weitsicht und das richtige Gespür für Trends, um zutreffend zu priorisieren, und natürlich Wandlungsfähigkeit, um den Herausforderungen richtig begegnen zu können. Die Basis hierfür legt die turnusmäßige Überprüfung der Unternehmensstrategie. Bei diesem Prozess bietet eine Außensicht oft großen, zusätzlichen Mehrwert. Trägt sie damit häufig auch frische Impulse und Perspektiven für die weitere Entwicklung in das Unternehmen hinein.“

Jörn Dieckmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand Services

   

 

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