Wissenswertes über Joint Audits

Die Anerkennung von Joint Audits (Gemeinschaftsprüfungen) im Rahmen der neuen EU-Regelung für Abschlussprüfungen unterstreicht, dass es sich bei diesem Verfahren um eine bewährte und zuverlässige Option handelt. Als Experten für Joint Audits laden wir Sie ein, mehr über das Konzept, die praktische Durchführung und die damit verbundenen Vorteile zu erfahren.

Heute leidet der Abschlussprüfer-Markt in der Mehrzahl der EU-Mitgliedsstaaten unter einer übermäßigen Konzentration – mit entsprechend nachteiligen Auswirkungen auf die Qualität und Innovationsfähigkeit. Die Verringerung dieser Unternehmenskonzentration und die Sicherstellung des Zugangs weiterer Akteure zum europäischen Prüfungsmarkt gehören zu den Leitzielen der Reform.

Der obligatorische Prüferwechsel allein wird weder zur Diversifikation des Prüfungsmarktes führen, noch wird er den Marktzutritt neuer Akteure erleichtern. Der Prüferwechsel wird sich nur dann vorteilhaft auswirken, wenn er von einem Joint Audit begleitet wird.

Was ist ein Joint Audit?

Unter Joint Audit wird die Bestellung von mindestens zwei Prüfern zur Durchführung einer gemeinsamen Abschlussprüfung in einem Unternehmen verstanden. Diese Form der Gemeinschaftsprüfung ist bislang der einzige Mechanismus, der die Konzentration im Prüfungsmarkt für führende börsennotierte Unternehmen in großen Volkswirtschaften nachweislich unter dem anderer Länder halten konnte.

Joint Audits zeichnen sich unter anderem durch die folgenden Merkmale aus:

  • gemeinsame Prüfungsplanung und Aufteilung der Prüfungsgebiete unter den beteiligten Prüfern zur Minimierung von Doppelarbeit;
  • gegenseitige Überprüfung der von den einzelnen Prüfern durchgeführten Arbeiten;
  • gemeinsame Risikobeurteilung für das Unternehmen;
  • gemeinsame Berichterstattung gegenüber Management, Prüfungsausschuss und Aktionären des Unternehmens sowie
  • Vorlage eines gemeinsamen Bestätigungsvermerks, für den beide Prüfer und Prüfungsgesellschaften haften. 

Wie fördert die EU Joint Audits?

Unternehmen, die eine Gemeinschaftsprüfung beauftragen, profitieren von einer längeren Rotationsperiode (24 Jahre ohne Ausschreibungspflicht) im Vergleich zur Einzelprüfung, bei der derselbe Prüfer ein PIE (Public Interest Entity, ein Unternehmen von öffentlichem Interesse) maximal 20 Jahre prüfen darf. Diese 20-Jahres-Frist gilt auch nur dann, wenn nach den ersten zehn Jahren eine öffentliche Ausschreibung der Prüfungsleistung erfolgt.

Neben diesem Anreiz der Fristverlängerung zur Einführung von Joint Audits begründet die Europäische Union ihre Unterstützung des Verfahrens in Punkt 20 der Verordnung folgendermaßen:

"Würden Unternehmen von öffentlichem Interesse mehr als einen Abschlussprüfer oder mehr als eine Prüfungsgesellschaft bestellen, so würde dies die kritische Grundhaltung verstärken und zu einer Erhöhung der Prüfungsqualität beitragen. Eine solche Maßnahme kombiniert mit der Präsenz kleinerer Prüfungsgesellschaften auf dem Prüfungsmarkt würde den Aufbau von Fähigkeiten erleichtern und so dazu beitragen, dass für Unternehmen von öffentlichem Interesse eine größere Auswahl von Abschlussprüfern zur Verfügung steht. Letztere sollten deshalb durch Anreize dazu ermutigt werden, für die Durchführung der Abschlussprüfung mehr als einen Abschlussprüfer oder mehr als eine Prüfungsgesellschaft zu bestellen." 

Vier wesentliche Gründe für Joint Audits

1. Technisches Wissen

  • Ein Joint Audit bietet Unternehmen das technische Know-how, die Prüfungserfahrung und Branchen-Expertise von zwei Prüfungsgesellschaften.
  • Grundsätzlich tragen Joint Audits zur Verbreiterung des Prüfungsmarkts und somit des grundsätzlich verfügbaren Prüfungswissens bei.
  • Joint Audits bieten bessere Möglichkeiten, um Best Practices unter einer Vielzahl von Marktteilnehmern zu erkennen.

2.  Qualität

  • Joint Audits ermöglichen sanfte und kontinuierliche Rotation zwischen Prüfungsgesellschaften; keine Brüche und Wissensverlust im Fall der sequenziellen Prüfer-Rotation.
  • Joint Audits regen zu Innovation und wachsendem Bewusstsein über kritische Fragestellungen an.
  • Die geprüften Unternehmen erhalten ein breiteres Spektrum an Fähigkeiten und regionaler Abdeckung.
  • Joint Audits sind die beste Maßnahme, um Kontinuität des Services zu gewährleisten, indem sie zeitversetzte Rotation der beteiligten Prüfungsgesellschaften ermöglichen.

3. Unabhängigkeit & Objektivität

  • Joint Audits stärken die Unabhängigkeit der Prüfer.
  • Sie reduzieren das Risiko zu intensiver Vertrautheit („Betriebsblindheit“)
  • Joint Audits unterstützen die Fähigkeit der Prüfer, ihre Einschätzung im Diskurs mit zu vertreten
  • Joint Audits fördern den kritischen Blick.

4. Gesicherter & dynamischer Markt

  • Joint Audits unterstützen den Wettbewerb, ermöglichen den Markteintritt in den Bereich des PIE Prüfungsmarkts.
  • Joint Audits ermöglicht kleineren Prüfungsgesellschaften Wachstum.
  • Abfederung des Risikos weiterer Konzentration (aus Big 4 werden Big 3).

Welche Erfahrungen hat Frankreich mit Joint Audits gemacht?

In Frankreich, wo Joint Audits eine gängige Prüfungspraxis sind, setzt sich der Wirtschaftsprüfermarkt zu 60 Prozent aus Prüfungsgesellschaften jenseits der Big 6 zusammen. Im Vergleich dazu besteht der Prüfermarkt in UK nur zu 20 Prozent aus alternativen Prüfungsgesellschaften. http://www.auditanalytics.com/blog/eu-auditor-market-share-2016/  

Die Einführung von Joint Audits in der gesamten EU hätte grenzüberschreitend eine spürbare Hebelwirkung mit Vorteilen für alle betroffenen Unternehmen. Der Marktzutritt einer deutlich größeren Anzahl alternativer Akteure würde begünstigt.

Testimonies

 

 

 

 

 

 

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FAQs zu Joint Audits

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Hier erhalten Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Joint Audits, insbesondere zu den mit dem Verfahren verbundenen Kosten.

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