Rekordtiefs durch Covid-19: Die Automobilindustrie in Brasilien und den USA

10.06.2020 - In allen Ländern zeigen sich große Auswirkungen von Covid-19 auf die Automobilindustrie. Wo Produktionen teilweise komplett stillgelegt wurden, war auch konsumentenseitig an den Neukauf von Automobilen nicht zu denken. Vor allem in Nord- und Südamerika sind die Auswirkungen der Pandemie stark und nachhaltig. Unsere Automotive-Experten haben die Situation exemplarisch anhand von Brasilien und den USA näher beleuchtet.

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Brasilien: Rekordtief seit 1957

Den Zahlen der National Association of Motor Manufacturers (Anfavea) zufolge versprachen die ersten zwei Märzwochen des Jahres noch robustes Wachstum. Im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres konnte das Land einen Anstieg der Neufahrzeugverkäufe von neun Prozent verzeichnen. Wie in den meisten Ländern führte die Pandemie dann aber zwangsläufig zu einer Unterbrechung der Produktionsabläufe und verursachte damit einen Rückgang von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Sukzessive Schließungen der Fabriken und die Einstellung der Verkäufe bewirkten im März insgesamt einen Einbruch der Produktion von fast 90 Prozent.

Im April traf die Krise die Branche sogar in noch stärkerem Maße.  Seit Beginn der Autoproduktion im Jahr 1957 hat es nicht einen Monat gegeben, in dem die Produktionszahlen so niedrig waren wie im April 2020. Durch die Schließung von fast allen Produktionsstätten wurden nur 1.850 Fahrzeuge produziert – ein Rückgang um 99,4 Prozent im Vergleich zu April 2019.

Der Produktionseinbruch reichte bis in den Mai hinein, in dem nur 43.100 neue Fahrzeuge hergestellt werden konnten. Dementsprechend sind im April 67,7 Prozent weniger Neuregistrierungen von Fahrzeugen verzeichnet. Auch im Mai wurden nur 62.200 Fahrzeuge neu angemeldet. Im Mai 2019 waren es mit 245.000 Neuanmeldungen vier Mal so viele.

USA: Nachhaltige Verluste

Die Pandemie hat die gesamte US-Industrie schwer getroffen. Wie die Notenbank FED Mitte Mai mitteilte, ging die Produktion im April gegenüber dem Vormonat um 11,2 Prozent zurück. Das ist der stärkste Rückgang seit Erhebungsbeginn vor 101 Jahren im Jahr 1919.

Auch die Automobilbranche der USA zählt zu den größten Verlierern der Krise. Aufgrund von Covid-19 standen die ersten Produktionsbetriebe bereits Ende März still. Alle weiteren wurden in der ersten Aprilwoche geschlossen. Die Produktionszahlen sanken um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verzeichneten die USA im April 2020 einen Rekordniedrigstand von circa 10.000 produzierten Fahrzeugen, beim Allzeithoch im April 1978 waren es mit 9,92 Millionen mehr als 900 Mal so viele.

So wiesen alle starken Marken erhebliche Rückgänge auf, weil die Autohäuser in den meisten Ländern den größten Teil des Monats geschlossen waren. Dementsprechend lagen die Verkaufszahlen im April bei etwa 165.000 Fahrzeugen, exklusive Light Trucks, während es im Vorjahr mit 1.356.000 mehr als acht Mal so viele waren. Marktforscher hatten für Mai weniger als 1,1 Millionen Neuwagenverkäufe prognostiziert und damit einen Rückgang von 32 bis 33 Prozent im Vergleich zu Mai 2019.

Auch im Mai galten in vielen US-Staaten noch die Shutdown-Regeln, sodass Produktion und Verkauf nur langsam wieder starten konnten, die Konsumnachfrage auf einem noch niedrigen Niveau blieb und sich nur langsam erholen wird. Am 18. Mai konnten die „Big 3“, Ford, GM und FCA, die Produktionsstätten wieder in Betrieb nehmen. Ihnen folgten sukzessive auch kleinere Automobilhersteller. Durch die Abhängigkeit von Zulieferern aus Südamerika, die ihre Produktion erst später hochgefahren haben, kam es in den USA dann vereinzelt zu erneuten Produktionsstopps.

Im Vergleich zur ursprünglichen Prognose für 2020 von 17 Millionen Einheiten ist die jährliche Umsatzprognose um 26,6 Prozent auf 12,5 Millionen Fahrzeuge gesunken. Experten erwarten zudem, dass sich die Folgen der krisenbedingten Monate des Stillstands auf die Branche noch das ganze Jahr 2020 und auch auf das Folgejahr auswirken werden.

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