Ein Joint Audit wirkt sich negativ auf die Prüfungsqualität aus

Das Risiko, dass kritische Sachverhalte nicht identifiziert werden, ist bei einem Joint Audit wesentlich niedriger als bei einem Single Audit. Der erhöhte Koordinationsaufwand durch zwei oder mehrere Konzernabschlussprüfer führt nachweislich nicht zu einer Verminderung der Prüfungsqualität. Ganz im Gegenteil: Das Plus an prüferischen Handlungen und das dem Joint Audit zugrundeliegende „Vier-Augen-Prinzip“ tragen zu einer verlässlicheren Prüfungsaussage bei.

Es lässt sich zudem beobachten, dass in Märkten und Marktsegmenten, in denen das Joint Audit obligatorisch ist, auch die Anzahl der Bilanzskandale mit schuldhafter Beteiligung des Wirtschaftsprüfers niedriger ist…

In der Diskussion um prüferische Qualität sollte auch die zuweilen unterschiedliche Expertise auf den erforderlichen Gebieten nicht unerwähnt bleiben. Ein Joint Audit ermöglicht dem zu prüfenden Unternehmen, nur die jeweiligen Stärken der Prüfungsgesellschaften "einzukaufen", ohne die Schwächen in Kauf nehmen zu müssen. Dies ist besonders wertvoll bei komplexen Rechnungslegungsvorschriften wie IFRS oder US-GAAP oder bei Unternehmen mit komplexer Struktur oder regulatorischen Anforderungen (wie Banken, Versicherungen, langfristigen Verträgen oder Unternehmen, die versicherungsmathematische Techniken anwenden), für die eine Prüfungsgesellschaft nicht unbedingt die gleiche Prüfungsqualität in allen Ländern bieten kann, in denen der geprüfte Konzern tätig ist.

Darüber hinaus hat die besondere Konstellation der beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften als Wettbewerber und gleichzeitig als Kooperationspartner folgende Vorteile:

  1. Das geprüfte Unternehmen kann auf jede der beiden Prüfungsgesellschaften zurückgreifen, je nach deren fachlichen Fähigkeiten und geografischer Abdeckung.
  2. Im Laufe eines Mandats kann eine Prüfungsgesellschaft für ein bestimmtes Beteiligungsunternehmen mit geringem Aufwand ersetzt werden ohne den Zusammenhang eines koordinierten Ansatzes bei der Prüfung des Konzerns zu beeinträchtigen.
  3. Unternehmen haben mehr Auswahl: Von jedem Joint Auditor können wettbewerbsfähige Angebote eingeholt werden, falls sich der Prüfungsumfang während des Mandats der Konzernprüfung erhöht oder sich das Unternehmen bereits in der Entscheidungsphase auf das jeweils preislich attraktivste Angebot jeder Prüfungsgesellschaft festlegen will.

Ein Joint Audit führt in aller Regel auch zu einer konkreten Diskussion über fachliche Fragen, insbesondere solche, die sich aus regulatorischen Änderungen ergeben, und bietet zusätzlichen Spielraum für Benchmarking.

Nicht zuletzt ermöglicht ein Joint Audit eine reibungslose, phasenweise und versetzte Rotation der Prüfungsgesellschaften ohne Wissensverlust für die Unternehmen.

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