COVID-19 Krise: Herausforderung in vier Phasen

Im fortgeschrittenen Verlauf der Covid-19-Krise zeigt sich zunehmend, dass die Auswirkungen für mittelständische Unternehmen weitaus langfristiger und umfangreicher ausfallen werden als zunächst angenommen.

Die erste Phase war von der Annahme geprägt, dass die Herausforderungen nur kurzfristig so groß sind und nach schwierigen ein bis zwei Monaten langsam wieder Normalität einkehrt. Zum jetzigen Stand scheint dies jedoch höchst unwahrscheinlich – stattdessen steht die Wirtschaft vor einer mittelfristig anhaltenden Herausforderung. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre Geschäftsaktivitäten über mehrere Monate – wenn nicht sogar Jahre – auf eine völlig neue Art und Weise steuern müssen.

Mit einem umfassenden Verständnis von den Auswirkungen der Pandemie auf die Angebots- und Nachfragesituation in den kommenden zwölf Monaten können sich Unternehmen so aufstellen, dass sie die Folgen der Krise eindämmen und ihren Betrieb fortführen, sobald wieder Normalität einkehrt. Das gilt auch, wenn diese ‚Normalität‘ nach der Pandemie anders aussehen wird als bisher.

Die Situation verstehen

Die unterschiedlichen Phasen der Krise und deren mögliche Dauer zu verstehen, ist ein wichtiger Ausgangspunkt, um daraus die Auswirkungen der Krise auf Angebot und Nachfrage abzuleiten.

Die Krise lässt sich prinzipiell in vier Phasen unterteilen: 

  1. Anfangsphase: In dieser Phase traten die ersten Infektionen und Todesfälle auf.
  2. Akute Phase: Die Infektions- und Sterblichkeitsraten erreichen ihren Höchststand und es wird ein zehn- bis zwölfwöchiger Lockdown verhängt.
  3. Unterdrückungsphase: In dieser Phase werden die Einschränkungen etwas gelockert, um die unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu verhindern. Diese Phase kann bis zu einem Jahr dauern.
  4. Erholungsphase: In allen wichtigen Volkswirtschaften rund um den Globus werden die längerfristigen Auswirkungen der Krise voraussichtlich auch in zwei bis drei Jahren noch zu spüren sein.

In der Anfangsphase stand die Gesundheit der Mitarbeiter, Kunden und anderer Stakeholder im Mittelpunkt. Zudem ging es darum, die kurzfristigen Auswirkungen des plötzlichen Nachfragerückgangs auf den Cashflow und die kurzfristige Ergebnissituation zu beurteilen.

In der Akut-Phase besteht die Herausforderung darin, alle Prozesse so effizient und optimiert wie möglich zu gestalten und gleichzeitig agil genug zu bleiben, um das Unternehmen bestmöglich durch die Unterdrückungsphase in die Erholungsphase zu führen.

Gerade mittelständische Unternehmen verfügen häufig nur über begrenzte Rücklagen bzw. finanzielle Puffer, insbesondere aus dem hohen (Re-)Finanzierungsbedarf, getrieben durch die notwendigen Digitalisierungsprojekte. Diese sollten so zugewiesen allokiert und ggf. durch externe Hilfen aufgestockt werden, dass die Liquidität hinreichend ist, um das Unternehmen in die Erholungsphase zu führen.

Mittlerweile ist abzusehen, dass diese Erholungsphase deutlich länger dauern wird als ursprünglich vermutet wurde. Unternehmen stehen somit vor der schwierigen Aufgabe, agile und flexible Prozesse zu entwickeln, um ihre Geschäftsaktivitäten über sechs bis zwölf Monate schrittweise wieder hochzufahren.

Hierfür ist ein noch nie dagewesenes Maß an Voraussicht, Planung und Flexibilität erforderlich. Ihre grundlegenden Strategien sollten breit angelegt sein und viele unterschiedliche Szenarien abdecken – vom optimalen über das wahrscheinlichste bis hin zum „worst case“-Szenario. Diese Strategien sollten Sie dann regelmäßig, bestenfalls monatlich, an die Rahmenbedingungen, die sich schnell ändern, anpassen.

Um dieses Vorgehen über einen längeren Zeitraum sicher zu stellen, sind voraussichtlich auch drastische Maßnahmen erforderlich. So sehen Sie sich unter Umständen der Herausforderung gegenüber, den Betrieb an einigen Standorten vollständig einzustellen, Mitarbeiter zu entlassen, anstatt diese nur zu beurlauben oder Kurzarbeit zu beantragen, und ggf. einige Vermögenswerte abzustoßen. Hierbei ist überlegtes und vor allem strategiekonformes Handeln zwingend.

Die Zusammenstellung eines funktionsübergreifenden Teams, das sich ausschließlich damit beschäftigt, diese Krise zu managen, ist ein elementarer Bestandteil eines erfolgreichen Krisenmanagements. Das Team muss dazu in der Lage sein, mit der notwendigen Geschwindigkeit auf die Krisenlandschaft, die sich kontinuierlich verändert, zu reagieren. Zudem muss diese Task Force über ein entsprechendes Mindset sowie umfassende Analyse- und Planungskompetenzen verfügen, um zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen vorbereiten und treffen zu können.

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