Finanzierungssicherung in der Corona-Krise

02.06.2020 – Die Covid-19-Pandemie hat die Welt für Unternehmen in den letzten Monaten erheblich verändert. In der Folge hat sich Cash-Flow-Management als eine wesentliche Herausforderung herauskristallisiert. Der kurzfristige Zugang zu frischen Finanzmitteln ist für viele Unternehmen entscheidend geworden, um ihre Liquiditätsbasis für die Geschäftstätigkeit auch nach der Pandemie zu sichern.

Viele Unternehmen werden auch weiterhin den Bedarf haben, Fremdkapital aufzunehmen, unter anderem zur Finanzierung von geografischer oder produktbezogener Expansion, anorganischem Wachstum durch Übernahme von Unternehmen oder für andere Refinanzierungszwecke. Das erfolgreiche Navigieren durch die Finanzierungslandschaft, die sich im Vergleich zum Jahresbeginn wesentlich eingetrübt hat, wird entscheidend sein, um auch weiterhin auf Ihr Unternehmen zugeschnittene Finanzierungslösungen zu finden.

Im gegenwärtigen Umfeld werden jedoch weniger Unternehmen in der Lage sein, zusätzliches Fremdkapital aufzunehmen, um die oben genannten Wachstums- oder Liquiditätsereignisse zu finanzieren. Die Corona-Krise hat viele Sektoren einem enormen wirtschaftlichen Schock ausgesetzt und erwartungsgemäß wird die Erholungsphase mindestens sechs bis zwölf Monate, wenn nicht sogar länger, dauern. Hierdurch wird es wesentlich wahrscheinlicher für Unternehmen, dass sie Fremdkapital zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen benötigen, um die Solvenz zu sichern.

Situationsbedingt verfolgen die Kreditinstitute einen Portfolio-first-Ansatz: Im derzeitigen Mittelpunkt steht die Unterstützung der bestehenden Kreditbeziehungen. Umso wichtiger ist es für finanzierungssuchende Unternehmen, die nachhaltige Rentabilität sowie eine solide Geschäftstätigkeit während und nach der Covid-19-Periode glaubhaft vermitteln zu können.

Für einige Unternehmen könnten sich in der gegenwärtigen Zeit auch Wachstumspotenziale ergeben, wie zum Beispiel opportunistische M&A-Deals. Andere Unternehmen können diesen Moment nutzen, um ihre langfristige Strategie zu überdenken und sicherzustellen, dass sie über eine mittelfristige Liquiditätssituation verfügen, die es ihnen ermöglicht, von Marktchancen nach Covid-19 zu profitieren. Für diese Unternehmen existieren auch alternative Kapitalquellen, die es ihnen ermöglichen, flexibel zu sein, ohne Eigenkapital zu belasten.

Im letzten Jahrzehnt haben sich für finanzierungssuchende Unternehmen die Anzahl der Finanzierungsinstrumente und die Zahl der Anbieter von Finanzierungslösungen erheblich vervielfacht. Mit zunehmender Komplexität der Finanzierungslösungen steigt jedoch auch die Verpflichtung der Unternehmen bzgl. der Mittelverwendung und der vereinbarten Covenants während der Finanzierungslaufzeit – insbesondere steigt das Risiko eines Covenantbruchs in Krisenzeiten.

Vorbereitung der Finanzierungsgrundlagen

Für Unternehmen, die zur Sicherung ihrer Geschäftstätigkeit Fremdfinanzierung benötigen, hat sich auch im derzeitigen Umfeld die Anbieterlandschaft grundsätzlich nicht geändert. Der erste Ansprechpartner zur Finanzierungssicherung bleibt insofern die Hausbank.

Seit dem Lockdown der Wirtschaft im März werden Banken mit Anfragen zur Verlängerung von Krediten, zur Stundung von Zins und Tilgung sowie mit Anträgen auf staatlich garantierte Kreditprogramme überflutet. Zum Großteil haben die Kreditinstitute einen verständnisvollen Kundenumgang gezeigt und auf die gestiegenen Anforderungen ihrer Finanzierungskunden angemessen reagiert.

Aus Unternehmenssicht sollte primär die Absicherung der bestehenden Finanzierungen bei Ihren Finanzierungspartnern, meistens die Hausbanken, angestrebt werden – klassischerweise bei den Finanziers, die Sie in der Vergangenheit unterstützt haben, die dies auch während der aktuellen Krise weiterhin tun und von denen Sie erwarten können, dass sie dies auch während der wirtschaftlichen Erholung tun werden.

Achten Sie jedoch darauf, auf Kreditgeberseite nicht zu stark zu konsolidieren. Sie sollten eine gewisse Diversifizierung der Finanzierungsquellen beihalten, um das Risiko für den Fall zu minimieren, dass sich eine dieser Finanzierungsquellen wider Erwarten schließt oder nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

Auswahl der Finanzierungslösung und des Finanziers

Asset Based Lending und Factoring sind Finanzierungsinstrumente, die Unternehmen bei rückläufigen Einnahmen unterstützen können. Die meisten Banken bieten verschiedene Asset Based Lending Finanzierungsformen und Factoring-Lösungen an. Hinzu kommt eine gewachsene Anzahl alternativer Finanzierungspartner mit Spezialisierung auf diese Finanzierungsinstrumente. Insbesondere kann Factoring für Unternehmen, die aufgrund der aktuellen Krise mit verlängerten Zahlungsfristen konfrontiert sind, einen sinnvollen Finanzierungsansatz darstellen.

Derzeit kann es gegebenenfalls zu Verzögerungen beim Zugang zu diesen Finanzierungslösungen kommen, unter anderem aufgrund von eventuell erforderlichen Vor-Ort-Besuchen zur Assetbewertung sowie eines ansteigenden Antrags- und Verwaltungsaufwands auf der Finanziererseite. Sobald Unternehmen den kurzfristigen Finanzierungs- bzw. Liquiditätsbedarf gesichert haben, können sie so eine weitere Quelle für betriebsnotwendige Finanzierung erschlossen und mögliches Wachstumskapital sichern.

Neben den traditionellen Banken haben sich alternative Finanzierungsquellen etabliert wie beispielsweise Private-Debt-Fonds und Family Offices. Solche Anbieter können hinsichtlich der Höhe der Finanzierung und der Rückzahlungsmodalitäten gegebenenfalls mehr Flexibilität anbieten als Hausbanken. Sie können beispielsweise endfällige Tilgungsstrukturen anbieten, die für Unternehmen mit vorübergehenden Cashflow-Herausforderungen von Vorteil sind. Unter bestimmten Umständen unterstützen diese Finanziers auch weiterhin kurzfristig Wachstumspläne und außerordentliche Liquiditätserfordernisse.

Diese alternativen Finanzierungslösungen bieten eine Diversifizierung in Bezug auf Kreditgeber, Laufzeit und Sicherheiten. Sie sollten jedoch berücksichtigen, dass sie in der Regel teurer und oft auch anspruchsvoller besichert sind als traditionelle Bankkredite.

In fünf Schritten zum Finanzierungserfolg

Angesichts der beispiellosen Umstände werden Banken und Kreditgeber in naher Zukunft mit einer Antragsflut für Fremdfinanzierungsmittel befasst sein. Somit fokussieren sich die Kreditgeber auf die Unterstützung ihrer Bestandskunden, wobei Banken auf selektiver Basis auch neue Kreditvergaben in Betracht ziehen, um dem gestiegenen Marktrisiko Rechnung zu tragen.

Daher ist es für Unternehmen wichtiger denn je, ihren Antrag so sorgfältig wie möglich vorzubereiten. In der Zusammenarbeit mit unseren Mandanten empfehlen wir fünf Schlüsselschritte für eine erfolgreiche Finanzierungssicherung:

  1. Stellen Sie im Detail dar, wie sich Ihr Unternehmen vor der Corona-Pandemie entwickelt hat. Sofern Sie Verluste erwirtschaftet haben, erläutern Sie Ihre eingeleitete Turnaround-Strategie und Ihre Ansätze und Maßnahmen zur Leistungssteigerung Ihres Unternehmens.
  2. Erstellen Sie eine konservative, kurzfristige Cashflow-Prognose unterstützt durch Szenario- und Sensitivitätsanalysen im Hinblick auf mögliche Einnahmeausfälle. Alle Unternehmen werden von den Auswirkungen von Covid-19 betroffen sein; scheuen Sie daher nicht, eine konservative Einschätzung anzunehmen.
  3. Identifizieren Sie die zu überbrückende Liquiditätslücke und erklären Sie, wie Sie die Finanzierungsmittel verwenden wollen.
  4. Zeigen Sie, dass Sie alles in Ihrer Macht stehende tun, um das Unternehmen zu unterstützen, sei es durch die Beantragung staatlicher Förderprogramme, Gehaltskürzungen im oberen Management oder Kostensenkungsmaßnahmen im gesamten Unternehmen.
  5. Heben Sie Ihren mittelfristigen Liquiditätsbedarf hervor: Wie sieht der Plan aus, um aus der aktuellen Situation gestärkt hervorzugehen, sobald die Wirtschaft sich wieder erholt? Langfristige, integrierte Finanzplanungen, die dies widerspiegeln, werden Ihre Kreditgeber sehr wohlwollend auffassen.

Hierbei geht es nicht darum, genau vorherzusagen, wann wir aus dem Lockdown herauskommen und wann sich die Wirtschaft insgesamt erholen wird. Vielmehr geht es für Sie darum, Ihre Annahmen in Form einer integrierten Liquiditäts- bzw. Finanzplanung transparent und nachvollziehbar darzustellen. Dies trägt dazu bei, Ihre Fähigkeit nachzuweisen, den Cashflow und die Solvenz des Unternehmens kurz- und mittelfristig zu managen. Es zeigt, dass Sie proaktiv handeln und eine Überlebensstrategie haben. Damit sollte gegenüber den Kreditgebern der Nachweis gelingen, dass Sie weniger riskant agieren als andere Unternehmen, die nicht so sorgfältig handeln, planen und wirtschaften.

Unternehmen, die in der Lage sind, Fremdkapital aufzunehmen und mehrwertstiftend einzusetzen, werden am erfolgreichsten dabei sein, die Marktchancen während und nach der Krise zu nutzen. Es können sich auch unerwartete Opportunitäten für Ihr Unternehmen ergeben, zum Beispiel die Möglichkeit unterbewertete Vermögenswerte zu erwerben von Unternehmen, die in der Krise nicht erfolgreich agiert haben.

Kontaktieren Sie uns gerne direkt oder über das Kontaktformular, um die Finanzierungssicherung Ihres Unternehmen zu besprechen. Die Beratung und Betreuung mittelständischer Unternehmen ist das Herzstück von Mazars. Wir stehen an Ihrer Seite, um Ihnen in diesen herausfordernden Zeit zu helfen.

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