Investmentsteuerreform 2018: Was ändert sich für die Anleger?

15.02.2017 – Am 1.1.2018 tritt die Investmentsteuerreform in Kraft. Die Reform führt zu einer umfassenden Änderung der deutschen Fondsbesteuerung. Unternehmen und andere institutionelle Anleger, die über Fondsanlagen verfügen, können das Jahr 2017 noch nutzen, um sich auf die neuen Regeln einzustellen.

Die Reform im Überblick

Derzeit sieht das Investmentsteuergesetz für Investmentfonds eine transparente Besteuerung vor. Das heißt, dass die Investmentfonds selbst steuerbefreit sind und die Besteuerung der Erträge auf Ebene der Anleger erfolgt.

Die Investmentsteuerreform ersetzt die transparente Fondsbesteuerung durch ein intransparentes Besteuerungssystem. Auf Fondsebene unterliegen ab dem 1.1.2018 bestimmte inländische Einkünfte der Körperschaftsteuer. Zu diesen Einkünften, die in- und ausländische Fonds versteuern müssen, zählen insbesondere Dividendeneinkünfte sowie Einkünfte aus der Vermietung und Veräußerung von Immobilien. Als Ausgleich für diese steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene werden die Erträge aus bestimmten Fonds bei den Anlegern teilweise von der Besteuerung freigestellt. Die Teilfreistellungen werden für Erträge aus Aktienfonds (mind. 50 % Aktien), Mischfonds (mind. 25 % Aktien) und Immobilienfonds (mind. 50 % Immobilien) gewährt. Die Höhe der Freistellung liegt zwischen 15 % und 80 %. Die Höhe der Teilfreistellung liegt je nach Anlegertyp und Art des Fonds zwischen 15 % und 80 %. Die Steuerbefreiungen nach § 8b KStG oder § 3 Nr. 40 EStG sind dagegen nicht anwendbar. Für Zwecke der Gewerbesteuer werden die Teilfreistellungen hälftig gewährt.

Bei den Fondserträgen, die die Anleger versteuern müssen, handelt es sich um Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne. Die Vorabpauschalen ersetzen dabei die ausschüttungsgleichen Erträge nach aktuellem Recht. Durch die Vorabpauschalen sollen nicht ausgeschüttete Erträge des Fonds beim Anleger steuerlich erfasst werden. Anders als die ausschüttungsgleichen Erträge werden die thesaurierten Erträge im Rahmen der Vorabpauschalen aber nicht konkret ermittelt, sondern mittels eines von der Bundesbank berechneten Zinssatzes pauschal geschätzt.

Für Anlagen in Spezialfonds gelten einige Besonderheiten: Grundsätzlich besteht für Spezialfonds ein Wahlrecht, ob die Besteuerung nach dem neuen intransparenten oder weiterhin nach dem transparenten Besteuerungssystem erfolgen soll. Wenn das transparente Besteuerungssystem gewählt wird, gelten im Wesentlichen die gegenwärtigen Besteuerungsregeln mit gewissen Modifikationen fort.

Wie können sich Anleger auf die Investmentsteuerreform vorbereiten?

Allgemeine Überlegungen für alle Anlegergruppen

Anleger, die in Publikumsfonds investiert haben, sollten beispielsweise prüfen, inwieweit für die aktuell gehaltenen Fonds Teilfreistellungen in Anspruch genommen werden können und ob ggf. durch Portfolioumschichtungen die Inanspruchnahme von Teilfreistellungen optimiert werden soll.

Bei Spezialfonds kann grundsätzlich gewählt werden, ob das transparente oder das intransparente Besteuerungssystem zur Anwendung kommt. Da ein späterer Wechsel zwischen den Besteuerungsregimen steuerlich eine Auflösung des Fonds darstellt, sollte noch 2017 eine Betrachtung erfolgen, welches Besteuerungsregime insgesamt vorteilhafter ist. Wenn die Wahl auf das transparente Besteuerungssystem fällt, muss außerdem sichergestellt werden, dass der Fonds den geänderten Anforderungen entspricht, die der Gesetzgeber für Spezialfonds formuliert hat.

Ausgewählte Aspekte bei einzelnen Anlegergruppen

Fondsanlagen zur Finanzierung der betrieblichen  Altersversorgung (z. B. CTAs)

Bei Unternehmen, die z. B. im Rahmen eines CTA (Contractual Trust Arrangement) in Publikumsfonds investieren, kann sich ebenfalls aufgrund des neuen Besteuerungssystems Handlungsbedarf ergeben, um einer steigenden Steuerbelastung während der Ansparphase entgegenzuwirken. Den Anlegern kommt dabei zugute, dass der Gesetzgeber alle Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge durch eine Befreiung von der Vorabpauschale begünstigt hat.

Kirchliche und gemeinnützige Anleger

Das neue Besteuerungssystem sieht vor, dass bei Publikumsfonds bestimmte inländische Einkünfte der Körperschaftsteuer unterliegen. Diese Besteuerung auf Fondsebene kann bei steuerbefreiten kirchlichen und gemeinnützigen Anlegern zu einer steuerlichen Mehrbelastung führen. Um diese Mehrbelastung zu vermeiden, stehen den steuerbefreiten Anlegern zwei Wege offen: Die Anleger können sich an Fonds beteiligen, die nur solchen begünstigten Anlegern offenstehen. Diese Fonds sind von der Körperschaftsteuer befreit. Steht ein Investmentfonds auch anderen Anlegern offen, so kann die vom Fonds gezahlte Körperschaftsteuer auf Antrag in einem relativ komplizierten Verfahren anteilig erstattet werden.

Pensionskassen und Versorgungswerke

Da bei Publikumsfonds inländische Immobilienerträge zukünftig der Körperschaftsteuer unterliegen, kann die Investmentsteuerreform bei Pensionskassen und Versorgungswerken zu einer Steuermehrbelastung führen. Um eine Schlechterstellung gegenüber der gegenwärtigen Rechtslage zu vermeiden, hat der Gesetzgeber ebenfalls vorgesehen, dass auf die Besteuerung der inländischen Immobilienerträge verzichtet bzw. die gezahlte Körperschaftsteuer dem Anleger auf Antrag erstattet werden kann.

Pensionskassen und Versorgungswerke, die in Spezialfonds investiert haben, sollten insbesondere auch prüfen, ob die Beibehaltung der transparenten Besteuerung tatsächlich günstiger ist. Im Rahmen der intransparenten Besteuerung fällt die Steuerbelastung von Dividenden etwas geringer aus, da – um Nachteile für deutsche Fonds zu vermeiden – ein um den Solidaritätszuschlag geminderter Körperschaftsteuersatz Anwendung findet.

Lebens- und Krankenversicherer

Lebens- und Krankenversicherer können von einer Befreiung von der Vorabpauschale profitieren. Da die Vorabpauschale  nicht durch die Rückstellung für Beitragsrückerstattung neutralisiert werden kann, hätten den Versicherern ansonsten steuerliche Nachteile gedroht.

Wir unterstützen Sie gern

Gerne analysieren wir für Sie, welche Auswirkungen die Investmentsteuerreform auf Ihre Fondsinvestments  hat. Damit Sie sich optimal auf die 2018 beginnende neue Investmentbesteuerung vorbereiten können, zeigen wir Ihnen auf, welche steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten es für Ihre Fondsanlagen gibt.

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