Unternehmenskultur prüfen? Warum und wie?

Die aktive Gestaltung, Steuerung und Überwachung der Organisationskultur sind relevante Faktoren für wirtschaftlichen Erfolg. Das gilt sowohl mit Blick auf die unternehmensstrategischen Aspekte als auch in Bezug auf die Sicherstellung der Wirksamkeit etablierter Maßnahmen zur Unternehmenssteuerung und -überwachung. Schon die Prüfung der Unternehmenskultur in Teilbereichen, wie beispielsweise die Risiko- bzw. Compliance-Kultur, bietet wirksame Ansätze zur Steuerung.

Unternehmenskultur ist ein Erfolgsfaktor!

Die gelebte Kultur einer Organisation hat stärkeren Einfluss auf das Verhalten der Organisationsmitglieder als etwa Regulierungsvorschriften und Verhaltenskodizes. Das ist das Ergebnis einer von der „Association of Chartered Accountants (ACCA)“ durchgeführten aktuellen Umfrage. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass eine ausschließlich regel- und kontrollbasierte Unternehmenssteuerung und -überwachung zunehmend an ihre Grenzen stößt. Allerdings ist die Bereitschaft vieler Führungskräfte bzw. Aufsichtsorgane, sich kritisch mit den Ausprägungen und häufig bereits bekannten Auswüchsen ihrer gewachsenen Organisationskultur auseinanderzusetzen, heute noch gering.

Dennoch gibt es immer mehr Initiativen, die diese Steuerungslücke schließen sollen. So implementieren insbesondere Unternehmen der Finanzbranche verstärkt  werte- oder prinzipienorientierte Steuerungsmechanismen. Diese sollen dazu beitragen, eine Organisationskultur, die vor allem zur Sicherung vor Markt- und Kundenschädigungen beiträgt, zu entwickeln und dauerhaft zu implementieren. Dabei geht es darum, kulturelle Fehlentwicklungen bereits im Ansatz zu erkennen und zu verhindern.

Unternehmenskultur muss konkret werden!

Kein für die Unternehmensentwicklung wesentlicher Faktor  sollte in seiner Ausprägung und Entwicklung dem Zufall überlassen werden. Das britische „Chartered Institute of Internal Auditors (IIA-UK)“ hat sich schon früh mit genau solchen Herausforderungen in einer sich verändernden Regulierungslandschaft befasst. Es empfiehlt in dem im Juli 2013 veröffentlichten „Financial Services Code“, dass im Rahmen von (Revisions-) Prüfungen insbesondere auch die Risiko- und Kontrollkultur einer Organisation hinterfragt werden soll. Darüber hinaus soll der Prüfer eine Einschätzung darüber abgeben, ob und wie die eingerichteten Prozesse, Maßnahmen sowie die persönliche Einstellung der Führungskräfte sich an den Prinzipien und Werten, den ethischen Grundsätzen, der Risikobereitschaft sowie den hierzu bestehenden Richtlinien der Organisation ausrichten. Darunter fallen unter anderem so konkrete Aspekte wie Leistungsbeurteilungen und Vergütungsstrukturen, Parameter der Entscheidungsfindung und der sogenannte „Tone-at-the-top “.

Unternehmenskultur-Audit: Das kommt auf Ihr Unternehmen zu!

Sobald die konkreten Prüfungsziele (z.B.  Analyse der Organisationskultur,  Integration im Rahmen einer externen Akquisition, Hinterfragung des Unternehmensleitbilds, uvm.)  festgelegt sind, gilt es die Detail-Prüfungsplanung vorzubereiten. Zum Beispiel:

  • Definition konkret betroffener Organisationsteilbereiche (z.B. Unternehmensleitung, bestimmte Sparte, Gremien, Tochtergesellschaft, Funktionen etc.)
  • Erhebung bereits bekannter kultureller Defizite im Rahmen einer Vorab-Analyse (z.B. Fluktuation, Krankheitsfälle, Burn-Out-Quote, Kundenverluste, Imageverluste, Führungsstil, Compliance-Vorfälle, Integrations-Probleme, unzureichende Identifikation mit der Organisation – z.B. in Hinblick auf Teilnahme an Trainings, sozialen Events, internen Befragungen etc.)
  • Auswertung der Ergebnisse bereits existierender Maßnahmen/ Aktivitäten, die Rückschlüsse auf die Organisationskultur zulassen (z.B. HR-Maßnahmen, wie 360°-Beurteilungen, Mitarbeiterbefragungen, Softskill-Schulungen, Coaching etc.)

Im letzten Schritt werden die Ergebnisse einzelner Arbeitsschritte durch relevante Indikatoren abgebildet. Diese werden dann zukünftig regelmäßig im Rahmen eines Soll-Ist-Abgleichs zur Messung der kulturellen Organisationsentwicklung erhoben.

Fazit

Die große Bedeutung des Faktors Unternehmenskultur wird immer offensichtlicher. Insbesondere auch, da eine ausschließlich regel- und kontrollbasierte Unternehmenssteuerung und -überwachung zunehmend an ihre Grenzen stößt. Dennoch unterschätzen viele Unternehmen das Thema und riskieren so eine wesentliche Steuerungslücke.

Sowohl Regulierungsbehörden als auch interne und externe Stakeholder fordern zunehmend eine konkrete Überprüfung der eigenen Unternehmenskultur sowie deren Einfluss auf die Unternehmenssteuerung und -entwicklung. Die Prüfung im Sinne eines Unternehmenskultur-Audits ist für die Mehrzahl der Unternehmen noch Neuland, auch wenn erste Initiativen und Verbände genau diesen Punkt aufgreifen und konkrete Konzepte entwickeln.

Ein am Markt etabliertes Tool ist der „Kultur-Kompass“ von Mazars.  Der Mazars Kultur-Kompass macht Unternehmenskultur zunächst sichtbar und ermöglicht darauf aufbauend die Gestaltung, Steuerung sowie Überwachung der Unternehmenskultur. Dazu hat  Mazars rund 300 weltweit gültige Indikatoren nachhaltig erfolgreicher Unternehmenskultur, die an den Bedürfnissen der Stakeholder ausgerichtet sind, definiert. Diese Indikatoren (Soll-Zustand) werden im Rahmen eines Kultur-Audits untersucht und mit dem Ist-Zustand abgeglichen. Daraus ergeben sich Handlungsfelder, die den Steuerungsgrad im Sinne der Unternehmensstrategie vergrößern.   

Weitere Informationen zum diesem Thema finden sich in dem Aufsatz „Prüfung der Organisations-/Unternehmenskultur­­“ von Hubertus Eichler im ZIR Heft 4/2015.

Oder sprechen Sie uns direkt an: Hubertus Eichler, Kai M. Beckmann 

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