So gehen börsennotierte Unternehmen mit der anstehenden CSR-Berichtspflicht um

EU-Richtlinie verankert Berichterstattung zur Corporate Social Responsibility (CSR) – wie steht es um die Umsetzung bei börsennotierten Unternehmen in Deutschland? Eine aktuelle Analyse.

Mit der EU-Richtlinie über die Offenlegung nicht-finanzieller Informationen durch Unternehmen (2014/95/EU) wird die Berichterstattung zur Corporate Social Responsibility (CSR) gesetzlich verankert. Ihr Ziel: Die Erhöhung der Transparenz über soziale und ökologische Auswirkungen von Unternehmensaktivitäten.

Hiernach müssen Unternehmen künftig über Strategien, Risiken und Ergebnisse in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie Diversität in den Leitungs- und Kontrollorganen berichten.

Betroffen von der Richtlinie sind Unternehmen im öffentlichen Interesse (Public Interest Entities) mit mehr als 500 Mitarbeitern, insbesondere kapitalmarkorientierte Unternehmen sowie Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen.

Die EU-Richtlinie ist bis spätestens Ende 2016 in nationales Recht zu überführen. Daher ist mit einer Anwendung bereits für nach dem 31. Dezember 2016 beginnende Geschäftsjahre zu rechnen. 

Die aktuelle Situation bei börsennotierten Unternehmen in Deutschland

Ein aktueller Blick auf die CSR-Berichterstattung börsennotierter Unternehmen ergibt folgendes Bild: 65 % der börsennotierten Unternehmen in Deutschland verfügen über eine Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dies erfolgt zumeist in einem eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht, aber auch integriert in den Geschäftsbericht (im Lagebericht oder als vollständig integrierter Bericht). 

Anteil von börsenorientierten Unternehmen, die über eine Nachhaltigkeitsberichtserstattung verfügen:

Nun klingt ein Anteil von 65 % der notierten Unternehmen zunächst einmal positiv. Doch relativiert sich dies bei einem Blick auf die einzelnen Indizes. Während fast alle DAX30-Unternehmen eine Nachhaltigkeitsberichterstattung vorweisen können, sind es im S-DAX nur 42 % und im Tec-DAX nur 33 % der Unternehmen. Demnach haben deutlich über die Hälfte (S-DAX) bzw. zwei Drittel (Tec-DAX) der Unternehmen keine Nachhaltigkeitsberichterstattung, welche den zukünftigen regulativen Anforderungen entspricht.

Anteil von S-DAX-Unternehmen, die über eine Nachhaltigkeitsberichtserstattung verfügen:

Anteil von Tec-DAX-Unternehmen, die über eine Nachhaltigkeitsberichtserstattung verfügen:

Die gesetzliche Pflicht kommt – aber auch Kapitalmarkt und Vertragspartner erwarten zunehmend ein professionelles Management von relevanten Nachhaltigkeitsthemen sowie Transparenz über den Umgang mit diesen.

Eine CSR-Berichterstattung ist mehr als eine kommende Pflichtherausforderung, sie kann auch Werte für Ihr Unternehmen schaffen wie bzw. eine Steigerung von Vertrauen der Stakeholder, eine sichere Lieferkette, Compliance in Nachhaltigkeit als Risikomanagement, eine erhöhte Attraktivität für Mitarbeiter sowie eine ganzheitliche Betrachtung Ihrer Unternehmung mit verändertem Blickwinkel.

Welche Herausforderungen sind mit der EU-Regulation verbunden?

Die EU-Direktive gibt die Inhalte des sogenannten non-financial statement“ vor. Die Form der Berichterstattung bleibt weitgehend frei, die Anlehnung an etablierte Standards (wie z. B. UN-Global Compact, OECD, ISO 26000, GRI, ILO, DNK, IIRC) wird jedoch empfohlen. Grundsätzlich sind die geforderten Informationen im Lagebericht zum Jahresabschluss zu berichten. Es steht den Mitgliedstaaten in der Umsetzung allerdings offen, die geforderten Informationen auch in einem gesonderten eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen zu lassen, welcher den Unternehmen sicherlich mehr Freiheit hinsichtlich Inhaltsauswahl und Informationssicherheit bietet.

Gilt für ein Unternehmen die Berichtspflicht, sind mindestens Angaben zu den Themen Umwelt, Soziales, Arbeitnehmer, Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung sowie „Diversity" (Vielfalt in Unternehmensleitungs- und Aufsichtsgremien) zu veröffentlichen. Zu berichten ist dabei im „non-financial statement“ jeweils:

  • wie das Unternehmen mit genannten Themen umgeht (d. h. Strategie, Richtlinien),
  • welche Maßnahmen ergriffen und welche Ergebnisse erzielt wurden,
  • welche Risiken aus diesen Aspekten resultieren und wie das Unternehmen mit diesen Risiken umgeht.

Sofern einer der geforderten Aspekte nicht adressiert wird, ist eine begründete Erläuterung erforderlich ("comply or explain"). 

Unsere Empfehlung:

Machen Sie sich frühzeitig ein Bild, welche Bedeutung die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Ihr Unternehmen haben wird:

  • Was erwartet der Kapitalmarkt?
  • Ist mein Unternehmen Teil einer globalen Lieferkette? Welche Transparenz hinsichtlich ausgewählter Nachhaltigkeitsaspekte werden meine Marktpartner zukünftig von mir erwarten?
  • Wie verhält sich mein Wettbewerb? Nutzt er die Nachhaltigkeitsberichterstattung, um sich am Parkt zu positionieren?

Nähern Sie sich der Nachhaltigkeitsberichterstattung systematisch:

  • Neue Anforderungen in einem Unternehmen zu implementieren, ist immer auch mit Aufwand und Kosten verbunden. Entwickeln Sie eine für Ihr Unternehmen maßgeschneiderte Lösung, die möglichst auch Ihre Chancen berücksichtigt, keinen unnötigen Aufwand erzeugt und integrieren Sie Nachhaltigkeit konsequent in bestehende Prozesse.

Fazit: Setzen Sie sich aktiv und frühzeitig mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung auseinander – aber erfinden Sie das Rad nicht neu. Nutzen Sie externe Unterstützung. Sprechen Sie uns an, um das Thema zunächst einmal von allen Seiten zu beleuchten. Mit unserer Erfahrung können wir Sie unterstützen und begleiten und Ihnen die erforderlichen Impulse für Ihre individuelle Lösung geben

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