Bundestagswahl 2017: Vergleich der Gesamtbelastungen von Personen- und Kapitalgesellschaften

Der folgende Beitrag zeigt auf, wie sich die Gesamtbelastung einer Personengesellschaft mit und ohne Thesaurierungsbegünstigung gegenüber der einer Kapitalgesellschaft nach Ausschüttung verändert – je nach den Konzepten zur Steuersatzerhöhung der Parteien in den Wahlprogrammen.

Die Gesamtbelastung setzt sich im Fall der Kapitalgesellschaft aus der Belastung auf Ebene der Kapitalgesellschaft sowie der Belastung auf die Dividende im Fall der Ausschüttung an einkommensteuerpflichtige Anteilseigner zusammen. Im Fall der Personengesellschaft mit Thesaurierungsbelastung ergibt sich die Gesamtbelastung wie folgt: aus der Belastung auf die normal und thesaurierten Gewinne und der Belastung nach Entnahmen der begünstigt besteuerten Gewinne.

In der Grafik werden die Gesamtbelastungen einer Personengesellschaft mit Thesaurierungsbegünstigung nach Entnahme der Gewinne, einer Personengesellschaft ohne Thesaurierungsbegünstigung sowie einer Kapitalgesellschaft nach Ausschüttung der Gewinne gegenübergestellt1. Bei der Berechnung der Belastung der Personengesellschaft mit Thesaurierungsbegünstigung wurden die entnommenen Gewinne in Höhe von 60 % dem persönlichen Steuersatz unterworfen (analoge Anwendung des Teileinkünfteverfahrens). Dies dürfte der Vorgehensweise im Rahmen der Thesaurierungsbegünstigung entsprechen, wenn die Abgeltungsteuer für Dividenden aus Kapitalgesellschaften abgeschafft werden würde.

Derzeit wird die geringste Gesamtbelastung bei einer Personengesellschaft ohne Nutzung der Thesaurierungsbegünstigung erreicht. Dies gilt sowohl bei Anwendung des 42%igen als auch des 45%igen ESt-Satzes. Bei Kapitalgesellschaften fällt dagegen derzeit die höchste Gesamtbelastung an. Die Personengesellschaft mit Anwendung der Thesaurierungsbegünstigung liegt im Vergleich der Gesamtbelastungen zwischen beiden Alternativen.

Parteiprogramme: Mögliche Änderungen für Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften

Auch unter Berücksichtigung der in den Parteiprogrammen geplanten Vorschläge bleibt es dabei, dass die Gesamtbelastung der Kapitalgesellschaften bei Ausschüttung an Einkommensteuerpflichtige am höchsten ist. Nur bei Anwendung des ESt-Satzes von 75 % würde nach den Plänen der Partei Die Linke die Personengesellschaft ohne Thesaurierungsbegünstigung mit 79,09 % die höchste Gesamtbelastung aufweisen und damit sogar über der Gesamtbelastung der Kapitalgesellschaft liegen (68,69 %). 

Auch bei Anwendung eines ESt-Satzes von 48 % (SPD) bzw. 53 % (Die Linke) liegt die Gesamtsteuerbelastung einer Personengesellschaft ohne Thesaurierungsbegünstigung unter der Gesamtbelastung einer Kapitalgesellschaft. 

Unter den hier getroffenen Annahmen weist die Personengesellschaft mit Thesaurierungsbegünstigung die geringste Gesamtbeteiligung auf. Hier ist allerdings zu erwarten, dass die Rahmenbedingungen der Thesaurierungsbegünstigung noch verschärft werden, sollten die Vorschläge der Linken oder der SPD tatsächlich umgesetzt werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Vorteil der Kapitalgesellschaft weiter in der geringsten Thesaurierungsbelastung liegt. Damit ist diese Rechtsform nach wie vor interessant für Unternehmen, in denen die Gewinne höchstmöglich thesauriert und reinvestiert werden sollen (siehe Thema 4). Die geringste Gesamtbelastung dürfte allerdings weiterhin bei der Personengesellschaft ohne Thesaurierungsbegünstigung liegen, da die Rahmenbedingungen der Thesaurierungsbegünstigung noch nicht genau feststehen und diese im Endergebnis so ausgestaltet werden würden, dass die Gesamtbelastung zwischen der einer Kapitalgesellschaft und der einer Personengesellschaft ohne Thesaurierungsbegünstigung liegt. 

1 Bei dieser Berechnung wurde im Fall der Personengesellschaft mit Thesaurierungsbegünstigung unterstellt, dass die auf den Gewinn entfallenden Steuern entnommen werden.

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