Vergleich der Thesaurierungsbelastungen von Personen- und Kapitalgesellschaften

Nachdem in den vorstehenden Kapiteln die Steuerbelastungsänderungen für Gewinne aus Kapital- und Personengesellschaften einzeln analysiert wurden, sollen in diesem Teil die Thesaurierungsbelastungen der verschiedenen Rechtsformen und Alternativen gegenübergestellt werden. Diese ist vor allem für Unternehmen, die ihre Gewinne höchstmöglich reinvestieren wollen, von hoher Bedeutung. Je geringer die Steuerbelastung ist, desto höher ist der Investitionsbetrag.

Zunächst wird die Thesaurierungsbelastung einer Personengesellschaft ohne Anwendung der Thesaurierungsbegünstigung (ThesB) mit der Steuerbelastung einer Kapitalgesellschaft verglichen.

Thesaurierungsbelastung zwischen Personengesellschaften ohne Thesaurierungsbegünstigung und Kapitalgesellschaften

Das Konzept der SPD sieht eine Anhebung der einkommensteuerlichen Spitzensätze vor; durch diese Änderung würde sich nicht nur die Gesamtbelastung bei Personengesellschaften erhöhen, sondern auch der Unterschied der Steuerbelastung im Vergleich zu der einer Kapitalgesellschaft. Der Steuersatzvorteil der Kapitalgesellschaft liegt bereits heute – und damit auch zukünftig, wenn es nach den Konzepten von CDU/CSU und FDP geht – schon im Fall der Anwendung des einkommensteuerlichen Spitzensatzes von 42 % bei 14,45 Prozentpunkten bzw. bei Anwendung des ESt-Satzes von 45 % bei 17,61 Prozentpunkten. Dieser Steuerbelastungsvorteil erhöht sich auf 20,78 Prozentpunkte bei einem einkommensteuerlichen Spitzensatz von 48 %, wie er von der SPD vorgeschlagen wird. Zudem greift der bisherige Steuerbelastungsunterschied von 17,61 nach dem Willen der SPD bereits bei einem zu versteuernden Einkommen des Gesellschafters einer Personengesellschaft von 76.200 Euro, während dieser heute erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von 256.305 Euro zur Anwendung kommt. Sowohl die Erhöhung des Spitzensatzes auf 48 % als auch die frühere Anwendung des ESt-Satzes von 45 % ab einem zu versteuernden Einkommen von 76.200 Euro, würde die Personengesellschaften gegenüber den Kapitalgesellschaften noch stärker als bisher benachteiligen.

Noch stärker fällt der Steuerbelastungsunterschied nach dem Konzept der Partei Die Linke aus, so dass auch hier das geringste Investitionsvolumen aus Gewinnen verbleibt. Kommt der ESt-Satz von 60 % bzw. 70 % zur Anwendung, steigt der Vorteil der Kapitalgesellschaft nach dem Konzept der Die Linke gegenüber der Personengesellschaft sogar auf 22,89 bzw. 38,71 Prozentpunkte an. Nur wenn die Gewinne bei den Gesellschaftern der Personengesellschaft einem Steuersatz von 53 % unterliegen, beträgt der Steuerbelastungsvorteil der Kapitalgesellschaft gegenüber der Personengesellschaft zwar „nur“ 15,5 Prozentpunkte. Dies liegt jedoch daran, dass durch die Körperschaftsteuersatzerhöhung auf 25 % zugleich auch die Vergleichsgröße in Form der Steuerbelastung der Kapitalgesellschaft um über 10 Prozentpunkte ansteigt.

Auswirkungen auf die Thesaurierungsbegünstigung

Aufgrund der hohen Steuerbelastungsunterschiede zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften im Fall der Thesaurierung hat der Gesetzgeber ab dem Jahr 2008 die Thesaurierungsbegünstigung für Personengesellschaften eingeführt, die auf einen Teil der Gewinne etwa die Steuerbelastung einer Kapitalgesellschaft ermöglicht. Allerdings müssen die Gewinne, die für die Steuerzahlungen (GewSt, ESt) entnommen werden, mit dem normalen Steuersatz versteuert werden, so dass Änderungen des Steuertarifs auch Auswirkungen auf die Steuerbelastung nach Anwendung der Thesaurierungsbegünstigung haben.

Die folgende Grafik stellt die Thesaurierungsbelastung einer Personengesellschaft bei Anwendung der Thesaurierungsbegünstigung der Steuerbelastung einer Kapitalgesellschaft gegenüber.1

Thesaurierungsbelastung zwischen Personengesellschaften mit Thesaurierungsbegünstigung und Kapitalgesellschaften

Nehmen die Gesellschafter einer Personengesellschaft die Thesaurierungsbegünstigung in Anspruch, sinkt der Thesaurierungsnachteil der Personengesellschaft gegenüber der Kapitalgesellschaft. Allerdings bleibt es selbst bei Anwendung des ESt-Satzes von 42 % noch immer bei einem Nachteil von 5 Prozentpunkten bzw. von 6,34 Prozentpunkten bei Anwendung des 45%igen ESt-Satzes.

Steigt der ESt-Satz auf 48 %, wie von der SPD vorgeschlagen, steigt der Thesaurierungsnachteil auf 7,78 Prozentpunkte. Die Rechtsform der Personengesellschaft wird damit selbst im Fall der Anwendung der Thesaurierungsbegünstigung im Vergleich zur Kapitalgesellschaft noch nachteilhafter, sofern die Gewinne größtmöglich reinvestiert werden sollen und nur die Steuern entnommen werden. Ein weiterer Nachteil für die Personengesellschaften im Konzept der SPD besteht zudem darin, dass der Steuerbelastungsunterschied von 6,34 Prozentpunkten bereits bei einem zu versteuernden Einkommen von 76.200 Euro greift. Dies benachteiligt auch Personengesellschaften mit geringeren Gewinnen, da aktuell dieser Nachteil erst bei Gesellschaftern mit einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 256.304 Euro eintritt.

Interessanterweise kommt es im Konzept der Partei Die Linke zu einer identischen Thesaurierungsbelastung von Personen- und Kapitalgesellschaften, wenn auf den nicht begünstigten Anteil des Gewinns der Personengesellschaft der vorgeschlagene ESt-Satz von 53 % zur Anwendung kommt. Dies begründet sich dadurch, dass auch die Steuerbelastung der Kapitalgesellschaft durch die Körperschaftsteuersatzerhöhung (auf 25 %) auf über 40 % erhöht werden soll. Insgesamt stehen sowohl den Personengesellschaften als auch den Kapitalgesellschaften nach den Vorschlägen der Partei Die Linke die geringsten Beträge für Investitionen zur Verfügung. Bei einem ESt-Satz von 60 % verbleiben bei Personengesellschaften mit Thesaurierungsbegünstigungen von einem Gewinn von 100 Euro nur ca. 60 Euro für Investitionen. Kommt der ESt-Satz von 60 % bzw. von 75 % zur Anwendung, sinkt der Investitionsbetrag sogar auf 55 Euro bzw. 41 Euro.

1 Bei dieser Berechnung wurde im Fall der Personengesellschaft mit Thesaurierungsbegünstigung unterstellt, dass die auf den Gewinn entfallenden Steuern entnommen werden. Die Gewerbesteuer sowie die entnommenen Steuern (ESt und SolZ) werden mit dem normalen Steuersatz besteuert, während nur der Restbetrag der Thesaurierungsbegünstigung unterworfen wird.

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