Auswirkung der geplanten Einkommensteuertarife auf die Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften und deren Anteilseignern

Werden Gewinne aus einer Kapitalgesellschaft ausgeschüttet, so müssen diese als Dividende von den Anteilseignern versteuert werden. Bei einkommensteuerpflichtigen Anteilseignern unterliegen diese grundsätzlich in vollem Umfang der Abgeltungsteuer mit dem pauschalen Steuersatz von 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag.

Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen können die Dividenden alternativ auch nach dem Teileinkünfteverfahren (kurz TEV) besteuert werden. Bei Anwendung des Teileinkünfteverfahrens werden 40 % der Dividende steuerfrei gestellt, so dass 60 % der Dividende dem individuellen Einkommensteuersatz des Anteilseigners unterliegen. In diesem Fall führen Änderungen beim Einkommensteuertarif auch zu Änderungen bei der Ausschüttungsbelastung einkommensteuerpflichtiger Anteilseigner.

In der nachstehenden Grafik sind sowohl die derzeitige Thesaurierungsbelastung1 auf Ebene der Kapitalgesellschaft sowie die derzeitige Ausschüttungsbelastung2 auf Ebene des Anteilseigners als auch die derzeitige Gesamtbelastung3 dargestellt. Die Steuerbelastungen beziehen sich dabei auf einen Gewinn von 100 vor Abzug von Steuern.

Aktuelle Steuerbelastung einer Kapitalgesellschaft

Die Konzepte der Parteien

Bis auf Die Linke wollen alle Parteien den derzeitigen Körperschaftsteuersatz (KSt-Satz) von 15 % auch in Zukunft beibehalten. Die Linke fordert als einzige Partei die Erhöhung des KSt-Satzes auf 25 %.

Bei der Besteuerung von Dividenden gehen die Forderungen in den Wahlprogrammen weit auseinander. Während die FDP ausdrücklich die Beibehaltung der Abgeltungsteuer als Erfolgsmodell fordert, plädieren die anderen Parteien für eine Abschaffung und eine progressive Besteuerung der Dividenden mit dem normalen ESt-Tarif. Die Union macht die Abschaffung der Abgeltungsteuer davon abhängig, ob der international vereinbarte Informationsaustausch der Finanzbehörden funktioniert.

Vor allem bei der von vielen Parteien geforderten Abschaffung der Abgeltungsteuer kommen den Änderungen des Einkommensteuertarifs eine höhere Bedeutung für Steuerbelastung beim Anteilseigner zu, wenn die Dividenden unter Anwendung des Teileinkünfteverfahrens dem normalen Einkommensteuertarif unterliegen.

Berücksichtigt man die Vorschläge in den Wahlprogrammen, ergeben sich folgende Belastungen:

Mögliche Steuerbelastungen von Kapitalgesellschaften nach den Wahlkonzepten

Analyse der vorgeschlagenen Änderungen

Bisher – und damit nach dem Konzept der FDP auch künftig – fällt auf Dividenden bei Anwendung der Abgeltungsteuer mit dem Steuersatz von 25 % mit 18,50 % des Vorsteuergewinns eine annähernd gleiche Ausschüttungsbelastung an wie bei einem Einkommensteuersatz von 42 % unter Anwendung des Teileinkünfteverfahrens. Hier kommt es zu einer Ausschüttungsbelastung von 18,65 % des Vorsteuergewinns. In beiden Fällen kommt es mit 48,33 % bzw. 48,48 % zu annähernd gleichen Gesamtbelastungen.

Kommt dagegen bei Anwendung des Teileinkünfteverfahrens der derzeitige einkommensteuerliche Spitzensteuersatz von 45 % zur Anwendung, liegt die Ausschüttungsbelastung mit 19,99 % (und einer Gesamtbelastung von 49,82 %) bereits heute um ca. 1,49 Prozentpunkte über der Abgeltungssteuerbelastung. Bei dieser Belastung würde es auch nach den Wahlprogrammen der CDU/CSU und der FDP bleiben, wenn die Dividenden einem Steuerpflichtigen mit einem zu versteuernden Einkommen von etwa über 256.000 Euro zufließen. Auch beim Konzept der SPD kommt es zu dieser Ausschüttungsbelastung von 19,99 % jedoch bereits bei Steuerpflichtigen mit einem zu versteuernden Einkommen ab 76.200 Euro. Ginge es nach der SPD würde es zudem durch die Erhöhung des Reichensteuersatzes auf 48 % für Steuerpflichtige mit einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 250.000 Euro zu einer höheren Ausschüttungsbelastung von 21,32 % führen. Dies wäre gegenüber der Abgeltungssteuerbelastung eine Steigerung um 2,82 Prozentpunkte.

Zu den größten Steigerungen der Gesamtbelastungen für Gewinne einer Kapitalgesellschaft käme es, wenn die Vorschläge der Partei Die Linke umgesetzt würden: Zum einen würde sich durch die Erhöhung des KSt-Satzes auf 25 % die Thesaurierungsbelastung auf Ebene der Kapitalgesellschaft um mehr als 10 Prozentpunkte von derzeit 29,83 % auf 40,38 % erhöhen. Zum anderen erhöht sich die Ausschüttungsbelastung durch die Erhöhung der Spitzensteuersätze. Bei Steuerpflichtigen, bei denen die Dividende dem ESt-Satz von 53 % unterliegt, würde die Ausschüttungsbelastung auf 20 % steigen. Legt man den neuen einkommensteuerlichen Spitzensteuersatz nach dem Konzept der Linke in Höhe von 60 % bzw. 75 % zu Grunde, würde die Ausschüttungsbelastung auf 22,64 % bzw. 28,31 % steigen. In diesen Fällen käme es zu Gesamtbelastungen von 63,02 % bzw. sogar von 68,69 %. 

1 Die Thesaurierungsbelastung einer Kapitalgesellschaft setzt sich in den folgenden Berechnungen aus der Gewerbesteuer, der Körperschaftsteuer und dem Solidaritätszuschlag der Kapitalgesellschaft zusammen. Bei einer Personengesellschaft umfasst die Thesaurierungsbelastung die Gewerbesteuer der Personengesellschaft sowie die Einkommensteuer und den Solidaritätszuschlag der Gesellschafter.

2 Die Ausschüttungsbelastung einer Kapital- bzw. Personengesellschaft stellt die Steuerbelastung dar, die beim Anteilseigner im Fall der Ausschüttung bzw. Entnahme entsteht. Die Ausschüttungsbelastung setzt sich in den folgenden Berechnungen aus der Einkommensteuer (Spitzensteuersatz des ESt-Tarifs bzw. des Abgeltungssteuersatzes) und dem Solidaritätszuschlag des Gesellschafters zusammen.

3 Bei den folgenden Berechnungen wird ein Gewerbesteuerhebesatz von 400 % unterstellt. 

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