Bundestagswahl 2017: Auswirkung der geplanten Einkommensteuertarife auf die Steuerbelastung von Personenunternehmen

Der Einkommensteuertarif ist auf alle Einkunftsarten anzuwenden, insbesondere auch auf gewerbliche oder freiberufliche Einkünfte. Damit haben Änderungen des Einkommensteuertarifs erhebliche Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerbelastung. Dies gilt für Gesellschafter von Personenunternehmen, deren Gewinne dem Einkommensteuertarif unterliegen, aber auch für Anteilseigner von Kapitalgesellschaften. Denn deren Ausschüttungen werden als Dividende der Abgeltungsteuer oder dem normalen Einkommensteuertarif unter Anwendung des Teileinkünfteverfahrens unterworfen.

In diesem Beitrag beleuchten wir die Auswirkungen der Einkommensteuertarife auf gewerbliche Personengesellschaften. Bei Personenunternehmen unterliegen die erwirtschafteten Gewinne zunächst der Gewerbesteuer, die zudem noch vom Gewerbesteuerhebesatz der jeweiligen Gemeinde abhängen. Anschließend müssen die Gesellschafter auf die ihnen zugewiesenen Gewinne aus der Personengesellschaft noch Einkommensteuer zuzüglich des Solidaritätszuschlags entrichten. Dabei wird auf die zu zahlende Einkommensteuer ein Teil der Gewerbesteuer angerechnet.

In den folgenden Berechnungen kommen nur die einkommensteuerlichen Spitzensteuersätze und ein unterstellter Gewerbesteuerhebesatz von 400 % zur Anwendung. Der derzeitige Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer von 42 % bzw. 45 % soll – wenn es nach den Plänen von CDU/CSU und FDP geht – unverändert bleiben. Insoweit entspricht die bisherige auch der künftigen Steuerbelastung, zumindest für die Einkünfte im Spitzensatzbereich.

Die SPD schlägt vor, den einkommensteuerlichen Spitzensteuersatz auf 48 % für ein zu versteuerndes Einkommen über 250.000 Euro anzuheben.Noch weiter geht die Partei Die Linke, die einen Steuersatz von 53 % ab einem zu versteuernden Einkommen von 70.000 Euro bzw. einen Steuersatz von 60 % ab einem zu versteuernden Einkommen von 260.533 Euro vorschlägt. Für ein zu versteuerndes Einkommen oberhalb von 1 Mio. Euro ist sogar ein Steuersatz von 75 % vorgesehen.

Wendet man diese Eckdaten an, um die Steuerbelastungen einer Personengesellschaft zu berechnen, deren Gewinne von den Gesellschaftern im Rahmen der Einkommensteuer versteuert werden, ergibt sich folgendes Bild:

Steigt der einkommensteuerliche Spitzensteuersatz auf 48% an, wie im Konzept der SPD geplant, erhöht sich die Gesamtbelastung der Gesellschafter einer Personengesellschaft inklusive der Gewerbesteuer (GewSt) auf 50,61 %. Damit würde die Gesamtbelastung um 3,17 Prozentpunkte gegenüber der bei Anwendung des bisherigen Reichensteuersatzes von 45 % ansteigen.

Bei einem einkommensteuerlichen Spitzensteuersatz von 53 %, wie er von der Partei Die Linke gefordert wird, kommt es zu einer noch größeren Erhöhung der Gesamtbelastung auf 55,88 % und damit zu einer Erhöhung um 8,44 Prozentpunkte gegenüber der Belastung bei Anwendung des ESt-Satzes von 45 %. Bei einem ESt-Satz von 60 % steigt die Gesamtbelastung auf 63,27 %, während sich die Gesamtbelastung bei einem ESt-Satz von 75 % sogar auf 79,09 % erhöht.

Zudem ist zu beachten, dass die Gesellschafter von Personengesellschaften nach dem SPD-Konzept die Gesamtsteuerbelastung von 47,44 % bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 76.200 Euro zu zahlen hätten, während sie derzeit diese Belastung erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 256.304 Euro tragen müssen. 

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